Mein fünfundzwanzigjähriger Sohn erklärte uns, seine zweiundzwanzigjährige Frau müsse nicht mehr arbeiten, und wir hätten die beiden zu finanzieren. Meine Antwort traf das junge Paar so hart, dass sie ihre Kränkung nicht verbergen konnten

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Mein fünfundzwanzigjähriger Sohn erklärte uns, seine zweiundzwanzigjährige Frau müsse nicht mehr arbeiten, und wir hätten die beiden zu finanzieren. Meine Antwort traf das junge Paar so hart, dass sie ihre Kränkung nicht verbergen konnten

Mein fünfundzwanzigjähriger Sohn erklärte uns, seine zweiundzwanzigjährige Frau müsse nicht mehr arbeiten, und wir hätten die beiden zu finanzieren. Meine Antwort traf das junge Paar so hart, dass sie ihre Kränkung nicht verbergen konnten.

Mein einziger Sohn Lukas und ich hatten immer versucht, unser Verhältnis auf Respekt, Vernunft und klaren Grenzen aufzubauen.

Vor Kurzem ist er fünfundzwanzig geworden. Er hat sein Studium abgeschlossen, bekam eine Einstiegsstelle als Sachbearbeiter in einer Spedition mit einem ganz gewöhnlichen Anfangsgehalt, und vor einem halben Jahr führte er seine Auserwählte voller Stolz zum Standesamt.

Lena war gerade erst zweiundzwanzig geworden. Ein hübsches Mädchen mit vollen Lippen, künstlichen Wimpern und einem Abschluss von irgendeiner privaten Berufsfachschule, dessen Mappe seitdem friedlich im Schrank lag. Vor der Hochzeit arbeitete sie ohne besondere Eile als Empfangskraft in einem Sonnenstudio, zwei Tage Dienst, zwei Tage frei, ein paar Formulare, ein bisschen Telefon, viel Handy.

Mein Mann und ich gehören noch zu dieser alten Sorte Menschen, die glaubt, dass man erst arbeitet und dann träumt. Wir bezahlten den beiden von Herzen die Hochzeit, halfen bei der Anzahlung für eine bescheidene Einzimmerwohnung am Stadtrand von Köln und atmeten erleichtert auf. Endlich, dachten wir, könnten wir vielleicht ein wenig für uns selbst leben.

Doch der Blitz aus heiterem Himmel, großzügig gewürzt mit einer absurden Portion Alltagswahnsinn, schlug am vergangenen Sonntag ein, als die frisch Vermählten sich zu unserem üblichen Familienessen blicken ließen.

Ich hatte mir wirklich Mühe gegeben: Gänsebraten mit Rotkohl, Kartoffelklöße, Salate und meinen Apfelkuchen nach altem Familienrezept. Wir saßen am Tisch, tranken Kaffee, redeten ruhig über das Wetter und die Heizkosten.

Da schob Lukas seinen leeren Teller von sich, räusperte sich bedeutungsvoll, legte den Arm um seine geliebte Ehefrau und verkündete in einem Ton, als säße ein künftiger Konzernchef vor uns:

„Mama, Papa. Lena und ich haben eine ernsthafte, erwachsene Entscheidung getroffen. Sie reicht morgen ihre Kündigung ein. Meine Frau wird nicht mehr arbeiten.“

Bei diesen Worten senkte Lena bescheiden die Augen, betrachtete ihren makellosen Nagellack und seufzte tief, als hätte sie in diesem Sonnenstudio jahrelang Steine geschleppt.

Mein Mann und ich sahen uns an.

„Nun, das ist deine Sache, Junge“, sagte mein Mann und zuckte mit den Schultern. „Wenn du sicher bist, dass dein Gehalt von zweitausendzweihundert Euro für Kreditrate, Lebensmittel, Strom und alles andere reicht, dann sind wir wohl die Letzten, die dir widersprechen. Eine sehr männliche Entscheidung, muss man schon sagen.“

Doch auf Lukas’ Gesicht erschien plötzlich dieser Ausdruck milder Überlegenheit, den junge Leute manchmal haben, wenn sie glauben, ihre Eltern seien geistig irgendwo zwischen Faxgerät und Wählscheibentelefon stehen geblieben.

„Papa, du verstehst einfach das Konzept nicht“, begann mein Sohn uns zu belehren, und ich hörte sofort heraus, dass er irgendeinen Internet-Guru nachsprach. „Lena ist nicht dafür gemacht, sich für fremde Leute kaputtzuarbeiten. Eine Frau muss in ihrer Kraft bleiben, das Zuhause mit guter Energie füllen und ihren Mann zu größeren Leistungen inspirieren. Wenn sie erschöpft ist, blockiert das den Geldfluss!“

„Wie spannend“, sagte ich zuckersüß und spürte, wie mein linkes Augenlid zu zucken begann. „Und auf welche genaue Weise wollen wir diesen Geldfluss aufrechterhalten, wenn allein die Kreditrate bei dreizehnhundert Euro liegt?“

In diesem Moment präsentierte mein fünfundzwanzigjähriger „Ernährer“ einen derart glänzenden und unverschämt sauberen Geschäftsplan, dass man eigentlich hätte aufstehen und applaudieren müssen.

„Genau da brauchen wir eure Hilfe!“, erklärte Lukas fröhlich. „Ihr seid doch unsere Eltern. Ihr habt euer Leben schon gelebt. Eure Wohnung ist abbezahlt. Papa verdient ordentlich, du auch. Wir haben alles durchgerechnet: Wenn ihr unsere Kreditrate übernehmt und Lena zusätzlich etwa fünfzehnhundert Euro im Monat für ihre Grundbedürfnisse gebt — also Nägel, Fitness für weibliche Energie, Café, solche Sachen — dann kann ich in Ruhe zu mir selbst finden und mich spirituell weiterentwickeln, ohne ständig von niedrigen Alltagsproblemen abgelenkt zu werden!“

Ich sah Lena an. Sie saß da mit vollkommen unbewegter Miene, offenbar ernsthaft überzeugt, der Status einer Ehefrau sei zugleich ein lebenslanges Premium-Abo auf Vollversorgung durch die Schwiegereltern.

Statt einen Sturm in der Küche auszulösen, mir ans Herz zu fassen, Baldrian zu suchen oder ihnen einen langen Vortrag darüber zu halten, wie wir in den Neunzigern mit zwei Jobs, gebrauchten Möbeln und ohne Urlaub über die Runden gekommen waren, überkam mich plötzlich eine glasklare, beinahe giftige Ruhe.

Ich ließ eine schöne Pause entstehen, tupfte mir sorgfältig die Lippen mit der Serviette ab und schenkte unserer jungen Keimzelle der Gesellschaft ein warmes Lächeln.