SIE WURDE GEZWUNGEN, EINEN „SCHWEINE-MILLIARDÄR“ ZU HEIRATEN, UM DIE MILLIONENSCHULDEN IHRER FAMILIE ZU BEZAHLEN – DOCH IN DER NACHT IHRES HOCHZEITSTAGES SCHRIE SIE AUF, ALS ER SEINE „HAUT“ ABLEGTE UND PLÖTZLICH DER MANN VOR IHR STAND, VON DEM ANDERE FRAUEN NUR TRÄUMTEN
Sie hatte begonnen, einen Mann zu lieben, den sie für gebrochen gehalten hatte.
Nun musste sie begreifen, dass dieser angeblich hilflose Mann die ganze Zeit die Kontrolle über beinahe jeden Teil ihrer gemeinsamen Geschichte besessen hatte.
Die öffentliche „Wunderverwandlung“ erschütterte jedoch nicht nur Lena.
Sie wirkte auch wie ein Rufsignal für jeden Menschen, der plötzlich etwas von Maximilian wollte.
Keine achtundvierzig Stunden vergingen, bis sich die ersten Besucher vor dem Grundstück einfanden.
Der Erste war Dieter Wagner.
Lenas Vater.
Er kam nicht, um seine Tochter um Verzeihung zu bitten.
Er kam auch nicht, weil ihn quälte, dass er sie wie eine Ware gegen seine Schulden eingetauscht hatte.
Dieter stand vor dem Tor und grinste breit in die Kamera der Gegensprechanlage.
— Mein lieber Schwiegersohn! — rief er. — Ich wusste immer, dass etwas Großes in dir steckt!
Im Sicherheitsraum beobachteten Lena und Maximilian ihn auf dem Monitor.
— Jetzt ist meine Schuld doch erledigt, — fuhr Dieter fröhlich fort. — Und wenn du tatsächlich so aussiehst wie ein Filmstar, kannst du deinem Schwiegervater bestimmt ein paar Millionen für ein neues Geschäft geben!
Maximilians Kiefer spannte sich an.
Er sah Lena an.
— Soll ich ihn hereinlassen?
Lena blickte auf das Bild ihres Vaters.
Dort stand der Mann, der sie fortgegeben hatte, als wäre sie ein Gegenstand gewesen.
Nicht an einen schönen, jungen Milliardär.
Sondern, soweit Dieter damals wusste, an einen Mann, den fast alle Menschen für abstoßend hielten.
Lenas Hände zitterten leicht.
Doch ihre Stimme war fest.
— Nein.
Maximilian sagte nichts.
Lena sah weiter auf den Bildschirm.
— Er hat mich nicht dem Mann gegeben, der jetzt vor mir steht. Er hat mich dem „Monster“ gegeben. Deshalb hat er kein Recht darauf, den Mann unter der Maske kennenzulernen.
Das Tor blieb geschlossen.
Wenig später tauchte Katharina wieder auf.
Doch bei ihr ging es nicht nur um Geld.
Sie wollte etwas zurück, das sie nun plötzlich als verlorenen Preis betrachtete.
Eine Woche später begegneten sie ihr auf einer gesellschaftlichen Veranstaltung.
Katharina trug ein auffälliges Abendkleid und ging langsam auf Maximilian zu.
Ihre Aufmerksamkeit galt ausschließlich ihm.
Lena behandelte sie, als wäre sie gar nicht anwesend.
— Maximilian, Liebling, — schnurrte Katharina. — Was für ein sensationeller Trick.
Er reagierte nicht.
— Wir wussten ja immer, dass du ein wenig eigenartig bist. Aber das hier? Dieses Theater war wirklich genial.
Sie stellte sich dicht vor ihn.
— Jetzt, wo der Spaß vorbei ist, musst du doch nicht länger so tun, als würde diese kleine Haushaltshilfe zu dir passen.
Lenas Gesicht blieb ruhig.
Katharina lächelte.
— Du brauchst eine Frau, die zu deinem echten Gesicht passt.
Im Saal wurde es still.
Maximilian machte keinen Schritt zurück.
Er sah Katharina an.
Sein Lächeln war kühl.
Fast beunruhigend ruhig.
— Du hast recht, Katharina.
Sie strahlte triumphierend.
— Der Spaß ist vorbei.
Dann wurde sein Blick härter.
— Nur hast du bis heute nicht verstanden, worin der Sinn lag.
Katharinas Lächeln erstarrte.
— Ich habe diesen Anzug nicht getragen, um irgendwann eine Frau zu finden, die gut neben meinem Gesicht aussieht.
Maximilian drehte sich zu Lena.
— Ich habe ihn getragen, weil ich eine Frau finden wollte, der mein Gesicht vollkommen gleichgültig ist.
Vor allen Gästen nahm er Lenas Hand und küsste sie.
— Meine Frau ist der einzige Mensch in diesem Saal, dessen Schönheit mich wirklich beeindruckt.
Dann sah er in die Runde.
— Die meisten von euch tragen ebenfalls Silikon. Nur an anderen Stellen.
Einige Gäste senkten peinlich berührt den Blick.
Doch wirkliche Dramen kommen nicht immer durch Feinde ins Leben.
Manchmal beginnen sie in dem Moment, in dem ein Mensch sich selbst im Spiegel betrachtet.
Die Wochen vergingen.
Und Lena zog sich immer stärker zurück.
An Maximilians Seite fühlte sie sich plötzlich wie ein hübsches Accessoire.
Als er noch „Max“ in seinem gewaltigen Körper gewesen war, hatte er sie gebraucht.
Sie hatte ihm geholfen.
Sie war seine Stütze gewesen, seine Hände, seine Begleiterin, manchmal beinahe seine einzige Verbindung zur Welt.
Nun brauchte Maximilian niemanden, der ihm beim Aufstehen half.
Er brauchte niemanden, der ihm Wasser brachte oder seine Füße massierte.
Er betrat einen Raum, und alle Augen wanderten automatisch zu ihm.
Maximilian war die Sonne geworden.
Und Lena hatte das Gefühl, nur noch der Mond zu sein, der sein Licht zurückwarf.
Eines Abends fand sie ihn in seinem privaten Fitnessraum.
Er trainierte mit schweren Hanteln.
Nicht ruhig.
Nicht konzentriert.
Er hob die Gewichte mit einer solchen Härte, als wollte er seinen eigenen Körper bestrafen.
Lena blieb an der Tür stehen.
— Warum machst du immer noch so weiter?
Maximilian reagierte zunächst nicht.
— Der Anzug ist weg, — sagte sie. — Du hast bekommen, was du wolltest. Du musst dich nicht mehr verstecken.
Mit einem dumpfen Krachen ließ Maximilian die Gewichte auf den Boden fallen.
Er drehte sich zu ihr.