„Du wirst uns nicht rauswerfen – wir sind hier für fünf Jahre gemeldet!“, verkündete mein Schwager selbstgefällig. Doch nur eine Minute später stand der zuständige Polizeibeamte zur Kontrolle in meiner Wohnung…

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„Du wirst uns nicht rauswerfen – wir sind hier für fünf Jahre gemeldet!“, verkündete mein Schwager selbstgefällig. Doch nur eine Minute später stand der zuständige Polizeibeamte zur Kontrolle in meiner Wohnung…

Das Haus meiner Großmutter dagegen war für immer weg.

Als ich damals protestierte, hatten meine Eltern nur hilflos mit den Schultern gezuckt.

— Sabine braucht es eben mehr. Sie war schon immer die Empfindliche.

Mit achtzehn hatte ich damit praktisch den einzigen Ort verloren, den ich als mein Zuhause betrachtet hatte.

Aber inzwischen war ich dreiunddreißig.

Und hinter mir lagen Hunderte gewonnene Verfahren.

Ich schloss den Laptop und atmete langsam ein.

Wahrscheinlich hatten sie damit gerechnet, dass ich sofort vor Gericht ziehen würde. Dass ich Klage einreichte, den gefälschten Vertrag anfocht und mich jahrelang durch ein zähes zivilrechtliches Verfahren kämpfte.

Genau darauf hatten sie gesetzt.

Doch ich hatte nicht vor, dieses Spiel nach ihren Regeln zu spielen.

Ich würde etwas anderes tun.

Etwas, nach dem ihr selbstgefälliges Gefühl von Sicherheit sehr schnell verschwinden würde.

Am nächsten Morgen verließ ich meine Wohnung so leise, dass keiner von beiden aufwachte.

Sabine schlief zusammengerollt auf meinem Sofa und hatte sich in meine Decke gewickelt. Markus war am Küchentisch eingeschlafen. Seine unrasierten Wange lag wenige Zentimeter neben einer leeren Dose Billigbier.

Sie sollten ruhig glauben, sie hätten gewonnen.

Ich brauchte lediglich etwas Zeit.

Mein erster Weg führte zu einem Gutachter, den ich aus meiner beruflichen Praxis kannte. Für eine zusätzliche Gebühr wegen der Dringlichkeit hatte ich noch am selben Abend ein offizielles vorgerichtliches Schriftgutachten in der Hand.

Stempel, Unterschrift, eindeutiges Ergebnis.

Die Signatur unter dem Nutzungsvertrag stammte nicht von mir.

Sie war von einer anderen Person nachgeahmt worden. Der Gutachter wies außerdem auf einen ungewöhnlich starken und ungleichmäßigen Druck beim Schreiben hin. Nach seiner Einschätzung sprach einiges dafür, dass derjenige, der meine Unterschrift gefälscht hatte, ein Mann gewesen war.

Noch am selben Tag ging ich zur Polizei und erstattete Anzeige.

Urkundenfälschung.

Falsche Wohnsitzanmeldung.

Der junge Beamte blätterte lange durch meine Unterlagen. Wirklich aufmerksam wurde er allerdings erst, als ich ihm den Teil der Geschichte zeigte, von dem Markus vermutlich geglaubt hatte, ich würde ihn niemals entdecken.

Am Abend zuvor hatte ich nämlich Julia angerufen, eine frühere Kommilitonin von mir. Sie arbeitete inzwischen in der kommunalen Wohnungsverwaltung.

Wir trafen uns in einem überfüllten Café unweit des Hauptbahnhofs. Während vor uns zwei Tassen bitterer Americano standen, überprüfte Julia die entsprechenden Angaben im internen System.

Was anschließend auf ihrem Bildschirm erschien, brachte mich zum ersten Mal seit Tagen zum Lächeln.

Markus, der offiziell keiner geregelten Beschäftigung nachging, hatte einen Antrag auf einen kommunalen Wohnkostenzuschuss für junge Familien gestellt.

Er wollte sich einen Teil angeblicher Miet- beziehungsweise Wohnkosten erstatten lassen.

Eine Voraussetzung dafür war ein nachweisbares Nutzungsrecht für eine ausreichend große Wohnung, in der jedem Familienmitglied die vorgeschriebene Wohnfläche zur Verfügung stand.

Und welches Dokument hatte dieses selbsternannte Genie seinem Antrag beigefügt?

Ausgerechnet den gefälschten Vertrag über meine Wohnung.

Damit ging es plötzlich nicht mehr nur um einen hässlichen Streit innerhalb einer Familie.

Markus hatte ein falsches Dokument verwendet, um eine staatliche Zahlung zu erhalten.

Das bedeutete Betrugsverdacht im Zusammenhang mit öffentlichen Leistungen.

Bei Streit zwischen Verwandten können Behörden manchmal den Eindruck gewinnen, sie seien mitten in einen privaten Rosenkrieg geraten. Sobald jedoch versucht wird, mit gefälschten Unterlagen Geld aus öffentlichen Kassen zu bekommen, sieht die Sache ganz anders aus.

Julia bestätigte mir, dass die Bewilligung bereits erteilt worden war.

Die erste Zahlung von 1.200 Euro sollte am Freitag auf Markus’ Konto eingehen.

Als ich anschließend das Verwaltungsgebäude verließ und mir der kalte Nieselregen ins Gesicht schlug, sagte ich leise:

— Na schön, liebe Familie. Ab jetzt spielen wir nach meinen Regeln.

Am Freitagabend schloss ich meine Wohnung mit meinem eigenen Schlüssel auf.

Diesmal war der zusätzliche Riegel nicht vorgeschoben. Sabine und Markus warteten auf einen Essenslieferanten und hatten deshalb offenbar darauf verzichtet.

Hinter mir standen drei Personen.

Der zuständige Polizeihauptmeister Thomas Weber, ein ernst wirkender Mann mit unbewegter Miene.

Neben ihm eine Mitarbeiterin der Meldebehörde in Dienstkleidung.

Und schließlich eine Vertreterin des Wohnungsamts mit einer schweren Ledermappe unter dem Arm.

Aus meiner Küche drang Sabines lautes Lachen. Dazu hörte ich Geschirr klappern.

Offenbar feierten sie etwas.

Auf dem Tisch lag eine geöffnete Pizzaschachtel. Daneben stand eine Flasche halbtrockener Weißwein. Markus hatte es sich in meinem Sessel bequem gemacht und die Füße selbstverständlich auf einen zweiten Stuhl gelegt.

— Ach, Katja ist wieder da! — rief Sabine theatralisch.