— Ihr Sohn wohnt hier nicht mehr. Ich habe schon vor einem Monat die Scheidung eingereicht, — sagte Katharina ruhig. Die beiden Verwandten blieben wie angewurzelt vor ihrer Tür stehen

Выкл. Автор ChatGpt
— Ihr Sohn wohnt hier nicht mehr. Ich habe schon vor einem Monat die Scheidung eingereicht, — sagte Katharina ruhig. Die beiden Verwandten blieben wie angewurzelt vor ihrer Tür stehen

— Eine Frau sollte glücklich sein. In dieser Ehe war ich es nicht.

— Du hättest noch ein bisschen durchhalten können.

— Ich habe lange genug durchgehalten.

Renate bemühte sich erneut um einen versöhnlichen Ton.

— Katharina, man kann eine Familie doch nicht mit einer einzigen Entscheidung einfach zerstören. Markus ist noch jung. Irgendwann wird er schon vernünftig werden.

— Er ist einunddreißig. Es wäre langsam Zeit, erwachsen zu werden.

— Männer brauchen dafür oft länger.

— Dann kann er woanders erwachsen werden. Nicht in meiner Wohnung.

— Aber wohin soll er denn gehen?

— Zu euch. Zu anderen Verwandten. Oder zu seinen Freunden.

— Trotzdem ist es die Aufgabe einer Ehefrau, ihren Mann zu unterstützen!

— Das habe ich getan. Ich habe sein Essen bezahlt, Kleidung gekauft, die Wohnung finanziert und sämtliche anderen Kosten getragen. Jetzt könnt ihr ihn unterstützen.

— Triff dich wenigstens noch einmal mit ihm und redet miteinander.

— Nein. Wir haben genug geredet.

— Wie kannst du nur so herzlos sein?

— Ganz einfach. Besonders wenn man irgendwann müde davon ist, für einen erwachsenen Mann wie ein kostenloses Bankkonto zu funktionieren.

Nach diesen Worten begannen die beiden Frauen beinahe gleichzeitig zu sprechen. Ihre Stimmen wurden merklich lauter.

— Wegen Geld zerstörst du eine Familie!

— Wie undankbar kann man eigentlich sein? Markus hat dich geliebt und sich immer um dich gekümmert!

Katharina hob nur leicht die Augenbrauen.

— Worin genau bestand diese Fürsorge?

— Er war bei dir! Er hat dir Gesellschaft geleistet und dir im Haushalt geholfen!

— Im Haushalt hat er nicht geholfen. Er hat nur mehr Unordnung verursacht. Und ich brauchte keinen Mann, der mir Gesellschaft leistet. Ich brauchte einen erwachsenen Partner, der ebenfalls arbeitet und Verantwortung übernimmt.

— Heutzutage ist es unglaublich schwer, eine passende Stelle zu finden!

— In zwei Jahren hätte er wenigstens vorübergehend irgendeine Arbeit annehmen können.

— Markus kann doch nicht einfach irgendetwas machen! Er hat schließlich eine Ausbildung!

— Dann soll seine Ausbildung ihm künftig das Abendessen bezahlen.

Katharina blieb die ganze Zeit ruhig im Türrahmen stehen. Sie unterbrach die Frauen nicht. Sie verteidigte sich nicht ausführlich und hob kein einziges Mal die Stimme. Sie wartete einfach ab, bis den beiden keine neuen Vorwürfe mehr einfielen.

Schließlich verstummten Renate und ihre Schwester.

Da sagte Katharina deutlich:

— In drei Tagen ist die Scheidung endgültig. Es gibt darüber nichts mehr zu besprechen.

Danach dauerte die Begegnung nicht mehr lange. Als die beiden Frauen begriffen, dass weder Druck noch Schuldgefühle Katharina umstimmen würden, drehten sie sich um und gingen zum Aufzug. Katharina schloss die Wohnungstür hinter ihnen. Nicht hastig, nicht wütend, aber endgültig.

Einige Tage später war es so weit. Katharina ging allein zur zuständigen Stelle, um die endgültigen Scheidungsunterlagen abzuholen. Markus erschien nicht. Die Mitarbeiterin reichte ihr das offizielle Dokument und fragte höflich, ob bei ihr alles in Ordnung sei.

Katharina sah auf das Papier, dann lächelte sie leicht.

— Jetzt ja. Jetzt ist wirklich alles in Ordnung.

Renate und ihre Schwester tauchten danach nie wieder vor ihrer Wohnung auf. Auch Markus hörte irgendwann auf, sich bei Katharina zu melden. Vielleicht hatte er eine andere Frau gefunden, die bereit war, für ihn zu bezahlen. Vielleicht hatte er sich tatsächlich endlich eine Arbeit gesucht. Katharina wusste es nicht.

Und zum ersten Mal wollte sie es auch gar nicht wissen.

Die Wohnung gehörte wieder nur ihr. Die Böden blieben sauber, weil niemand mit Straßenschuhen achtlos durch die Zimmer lief. Über dem Küchentisch brannte abends eine warme Lampe. Katharina konnte dort sitzen, essen und die Stille genießen, ohne sich gleichzeitig die Beschwerden eines anderen Menschen anhören zu müssen. In diesen Räumen fühlte sich die Luft plötzlich leichter an.

Doch das Wichtigste war etwas anderes.

Es gab niemanden mehr an ihrer Seite, dem sie erklären oder beweisen musste, dass auch eine Frau das uneingeschränkte Recht darauf hat, ruhig, frei und glücklich zu leben.