Meine Schwiegermutter brachte ohne zu fragen die ganze Verwandtschaft in unseren Garten und erlaubte ihnen, meine Vorräte für den Winter mitzunehmen – doch ihre großzügige Verteilung endete schlagartig, als ich vor ihnen stand
— Renate, bist du schon wieder ohne Erlaubnis bei den Kindern aufgetaucht und hast gleich die ganze Verwandtschaft mitgebracht? — fragte er so laut, dass der kleine Lautsprecher beinahe schepperte. — Ich habe dir ausdrücklich gesagt, dass ich nichts auf meinem Geburtstagstisch haben will, was anderen Leuten gehört! Du entschuldigst dich jetzt bei Katharina und bringst alles zurück, was ihr bereits herausgeschleppt habt. Hast du denn überhaupt kein Schamgefühl mehr?
Danach war das Gespräch beendet.
Renate saß reglos auf ihrem Stuhl.
Ihr Gesicht war bis zu den Ohren rot geworden, und sie starrte auf den inzwischen dunklen Handybildschirm, als hätte der sie persönlich verraten.
Etwa eine Viertelstunde dauerte es, bis sämtliche Vorräte wieder an ihrem Platz standen.
Markus und Petra trugen schweigend Kisten in den Keller zurück. Keiner von beiden versuchte noch zu diskutieren.
Claudia presste beleidigt die Lippen zusammen, stieg in ihr Auto und fuhr als Erste davon. Sie verabschiedete sich nicht einmal.
Als schließlich auch das letzte Glas wieder ordentlich im Regal stand, ging ich zurück auf die Terrasse.
Renate war noch da.
— Für die angebrochene Konfitüre sowie den Käse und die Wurst, die ihr aus unserem Kühlschrank genommen habt, macht das fünfzehn Euro, Renate, — sagte ich höflich und hielt die Hand hin. — Sie können mir das Geld auch überweisen.
Meine Schwiegermutter sagte kein einziges Wort.
Sie holte ihre Geldbörse hervor, zog einige zerknitterte Scheine heraus und legte sie mit einer scharfen Bewegung auf den Tisch.
Dann hob sie demonstrativ den Kopf, ging an mir vorbei und setzte sich zu Markus ins Auto.
Wenig später waren Martin und ich allein auf dem Grundstück.
Er legte mir einen Arm um die Schultern und sah dem Wagen nach, der langsam durch das Gartentor hinausfuhr.
— Weißt du, was das Beste an der ganzen Sache ist? — fragte er mit einem schiefen Lächeln.
— Was?
— Die Gurken im Gewächshaus haben sie tatsächlich nicht gegossen.
Ich musste lachen.
Dann nahm ich die Tischdecke an zwei Ecken, schüttelte die Brotkrümel herunter und steckte das Geld ein.
— Nicht schlimm, — sagte ich. — Die gieße ich selbst.
Ich blickte zum nun wieder geschlossenen Gartentor.
— Dafür haben wir ab heute mit Sicherheit deutlich weniger unerwartete Gäste.