Nach jedem Arbeitstag entdeckte ich seltsame schmutzige Spuren in der Unterwäsche meiner Frau. Überzeugt davon, dass sie mich betrügt, versteckte ich heimlich eine Kamera in ihrem Büro – doch als ich sah, was dort wirklich geschah, blieb mir vor Scham und Entsetzen die Sprache weg…
„Die dritte Stimulationswoche läuft gut“, erklärte Tobias, während er die gebrauchte Spritze in einen verschlossenen Behälter legte. „Die Werte sehen ordentlich aus. Der Arzt meinte, wenn es so weitergeht, könnte in zwei Zyklen der Transfer stattfinden.“
Dann sah er Katharina ernst an.
„Du solltest wirklich mit Markus sprechen. Du bekommst die Injektionen hier nur während der Mittagspause, weil du es nicht jedes Mal rechtzeitig in die Praxis schaffst. Wenn du das alles weiterhin vor ihm verheimlichst, wird er sich irgendwann irgendeine völlig falsche Erklärung zusammenbauen.“
Katharina zog den Ärmel wieder herunter.
„Später“, flüsterte sie. „Wenn ich ihm sagen kann, dass ich schwanger bin, erzähle ich ihm alles. Im Moment hat er diesen riesigen Hotelauftrag. In der Produktion herrscht Ausnahmezustand. Ich möchte ihn nicht auch noch mit meinen Problemen belasten.“
„Probleme?“
Tobias sah sie fassungslos an.
„Du versuchst, für euch beide eine Familie möglich zu machen. Ihr seid seit zehn Jahren zusammen. So etwas sollte man nicht allein durchstehen.“
Katharina erhob sich. Sie strich ihren Rock glatt, ging zum Spiegel und steckte eine lose Haarsträhne wieder zurück. Anschließend sah sie auf die Uhr.
„Noch fünf Minuten.“
Sie holte eine Ersatzbluse hervor.
„Ich ziehe die hier an. Auf der anderen ist wieder ein kleiner Blutfleck. Die kommt in den Beutel.“
Dann drehte sie sich noch einmal zu Tobias.
„Und danke. Für alles. Auch dafür, dass du niemandem etwas erzählt hast.“
„Wir sind Freunde“, sagte er schlicht und stellte den medizinischen Koffer zurück in den Schrank. „Obwohl Herr Hartmann, glaube ich, längst ahnt, was los ist. Seine Tochter konnte auch erst nach einer künstlichen Befruchtung ein Kind bekommen. Deshalb hält er sich einfach heraus.“
Markus hockte noch immer zwischen den Kiefernbrettern.
Tränen liefen ihm über das Gesicht und vermischten sich mit dem feinen Holzstaub auf seiner Haut.
Die Unterwäsche.
Zwei Slips an einem Tag.
Er hatte geglaubt, seine Frau betrüge ihn.
Dabei wechselte Katharina sich wegen der Behandlungen um. Einen Teil ihrer Kleidung versuchte sie bereits im Büro auszuwaschen, doch manchmal blieben trotzdem Spuren zurück. Durch die hormonelle Behandlung kam es gelegentlich zu leichten Blutungen, über die sie aus Scham und Angst nie mit Markus gesprochen hatte.
Sie wechselte ihre Unterwäsche nach den Injektionen und trug einfache Baumwollsachen, damit ihre besseren Sachen nicht verschmutzt wurden.
All die Wochen hatte sie blaue Flecken, Schmerzen, Angst und Hoffnung versteckt.
Nicht weil es einen anderen Mann gab.
Sondern weil sie ihren eigenen Mann so gut kannte.
Katharina hatte Angst gehabt, Markus würde alles stehen und liegen lassen. Sie wusste, wie er war. Wenn es ihr schlecht ging, wollte er sofort jedes Problem mit beiden Händen lösen. Sie hatte befürchtet, er würde verlangen, die Behandlung zu beenden, sobald er sah, wie sehr sie darunter litt.
Markus blickte noch einmal auf den Bildschirm.
Katharina stand an ihrem Schreibtisch und hielt einen frischen Baumwollslip in der Hand. Sie faltete ihn zusammen, legte ihn in einen Plastikbeutel und verstaute ihn in ihrer Tasche.
Markus beendete die Übertragung.
Dann steckte er das Telefon ein.
Noch nie zuvor in seinem Leben hatte er sich so erbärmlich gefühlt.
Er hatte seiner Frau nicht vertraut.
Er hatte sie heimlich beobachtet.
Während sie Schmerzen ertrug, weil sie davon träumte, ihm ein Kind zu schenken, hatte er sich in Gedanken ausgemalt, sie liege mit einem anderen Mann auf dem Sofa ihres Büros.
Markus verließ die Werkhalle und ging bis zum Pförtnerhaus.
Kurz vor dem Ausgang blieb er stehen.
Dann drehte er sich um.
Statt nach Hause zu gehen, lief er zurück zum Verwaltungsgebäude.
Im zweiten Stock klopfte er an die Tür des Vertriebs und trat fast im selben Moment ein, ohne auf eine Antwort zu warten.
Katharina saß am Computer.
Tobias stand mit einer geöffneten Mappe an seinem Schreibtisch.
Als Katharina ihren Mann sah, wich sämtliche Farbe aus ihrem Gesicht.
„Markus?“, flüsterte sie. „Du solltest doch unten in der Produktion sein.“
Er sagte nichts.
Er ging direkt zu ihr, zog sie vom Stuhl hoch und nahm sie fest in die Arme.
Katharina stieß vor Überraschung einen leisen Laut aus.
Markus drückte sein Gesicht in ihre Haare.
„Verzeih mir“, sagte er heiser. „Bitte verzeih mir. Ich bin so ein Idiot. Ich weiß alles. Ich habe alles gesehen.“
Katharina wurde völlig steif.
Nach einigen Sekunden löste sie sich vorsichtig von ihm und sah ihm ins Gesicht. Angst stand in ihren Augen, aber dahinter lag noch etwas anderes.
Hoffnung.
„Was genau hast du gesehen?“
Markus schluckte.
„Ich weiß von den Spritzen. Ich weiß, was ihr während der Mittagspause macht. Ich weiß auch, warum du mir nichts erzählt hast.“
Er musste kurz wegsehen.
„Kathi … ich habe eine Kamera installiert. Ich dachte, du würdest mich betrügen. Ich dachte, du hättest etwas mit Tobias.“
Katharina starrte ihn mit weit geöffneten Augen an.
Dann wanderte ihr Blick langsam zur Steckdose in der Ecke.