„Ich bin schwanger von deinem Verlobten“ – mitten auf dem Junggesellinnenabend zerstörte die beste Freundin mit einem einzigen Satz das Glück der Braut
Nadine blieb auf dem Sofa sitzen und hob den Kopf nicht.
„Julia, bitte verzeih mir“, sagte sie brüchig. „Ich war neidisch auf dein Glück. Es tut mir leid.“
Julia blieb an der Tür stehen und drehte sich noch einmal um.
„Du hast nicht nur unsere Freundschaft zerstört“, sagte sie leise. „Du hast mir auch ein Stück Vertrauen in Menschen genommen. Ich weiß nicht, ob ich dir jemals verzeihen kann.“
Im Taxi, das über die dunkle Landstraße fuhr, schwieg Julia lange. Sie sah aus dem Fenster auf die vorbeiziehenden Lichter, und Klara drängte sie zu keinem Wort. Sie wusste, dass Julia diesen Raum brauchte, um nicht völlig auseinanderzubrechen.
„Weißt du, wovor ich Angst habe?“, sagte Julia irgendwann in die Stille hinein. „Für einen Moment habe ich ihr geglaubt. Ich habe an Tobias gezweifelt. An uns.“
„Das ist menschlich“, antwortete Klara sanft. „Jeder würde ins Wanken geraten, wenn er so etwas hört.“
„Aber ich hätte es nicht dürfen!“ Julia schlug mit der Faust auf ihr Knie. „Ich kenne Tobias seit vier Jahren. Er hat mir nie einen Grund gegeben, ihm zu misstrauen. Und dann kommt eine einzige Anschuldigung, und ich bin bereit, an Verrat zu glauben.“
„Du warst überrumpelt“, sagte Klara und legte ihr die Hand auf die Schulter. „Es wird wieder gut. Die Wahrheit findet ihren Weg.“
„Ja“, erwiderte Julia bitter. „Die Wahrheit ist, dass meine beste Freundin bereit war, mein Glück für ihren eigenen Vorteil zu zerstören.“
„Nadine hat etwas Furchtbares getan“, sagte Klara nach einem Moment. „Aber sie ist verzweifelt. Allein, mit einem Kind, ohne Halt…“
„Verteidigst du sie etwa?“, fragte Julia, und in ihren Augen flackerte erneut Zorn auf.
„Nein“, sagte Klara fest. „Ich versuche nur zu verstehen, ob es einen Unterschied gibt.“
Wieder legte sich Schweigen zwischen sie. Der Taxifahrer schaltete leise das Radio ein, und aus den Lautsprechern kam eine warme, ruhige Melodie, die zu zärtlich war für diese Nacht.
„Ich rufe Tobias an“, sagte Julia schließlich.
Tobias nahm den Anruf entgegen und hörte schweigend zu. Dann versprach er, sie im Park zu treffen, wenn die ersten hellen Streifen des Morgens am Himmel standen, damit sie gemeinsam entscheiden konnten, wie es für sie weitergehen sollte.