Im Urlaub verbrachte ich eine Nacht mit einem Fremden, den ich erst an diesem Abend kennengelernt hatte — doch als ich ins Büro zurückkehrte, blieb mir beim Anblick eines Mannes dort der Atem stehen…
Im Urlaub verbrachte ich eine Nacht mit einem Mann, den ich zuvor noch nie gesehen hatte. Doch als ich nach der Reise wieder zur Arbeit kam, erstarrte ich mitten in der Tür, weil dort ausgerechnet er saß…
Ich hatte am Meer eine Nacht mit einem Fremden verbracht. Und als ich in mein Büro zurückkehrte, wurde mir plötzlich eiskalt, als ich ihn dort wiedererkannte…
Katharina hatte erst geheiratet, als sie längst wusste, dass das Leben nicht nur aus Träumen bestand. Fast alle Frauen aus ihrem Freundeskreis hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Familien gegründet, manche hatten sogar schon die ersten Scheidungen hinter sich. Während andere morgens Brotdosen für die Schule packten, fragte Katharina sich immer noch, welchen Platz sie selbst eigentlich in diesem Leben einnehmen sollte, und genau dieses Gefühl nagte oft leise an ihr.
An Aufmerksamkeit von Männern hatte es ihr nie gefehlt. Ihre schlanke Gestalt, ihre ruhige Weiblichkeit und diese sanfte, unaufdringliche Schönheit ließen viele Blicke an ihr hängen bleiben. Nur half ihr das wenig. Die Männer, die sich ernsthaft um sie bemühten, rührten nichts in ihr an, und jene, bei denen ihr Herz vielleicht hätte schneller schlagen können, gingen an ihr vorbei, als wäre sie Luft.
Sie sehnte sich nach einer Liebe, die nicht halbherzig begann und nicht beim ersten Sturm zerbrach. Wenn ihre Mutter bemerkte, wie still Katharina wieder geworden war, sagte sie oft: „Dräng dich nicht, mein Kind. Was zu dir gehört, findet dich schon. Wichtiger ist, dass du dein Leben nicht dem falschen Mann anvertraust.“
Trotzdem legte sich mit jedem Jahr ein schwererer Gedanke auf Katharinas Herz: Was, wenn dieser Mann nie kam? Oder schlimmer noch, wenn es ihn längst gab, er aber schon an der Seite einer anderen Frau lebte? Jeder Geburtstag, jeder Jahreswechsel machte das Gefühl stärker, als würde ihr die Zeit zwischen den Fingern verrinnen.
Dann begegnete sie doch einem Mann, in dem sie ihr spätes Glück zu erkennen glaubte, und sie heiratete ihn. Doch das Märchen verlor seinen Glanz beinahe unmittelbar nach der Feier. Als das Kind geboren wurde, folgten die Schwierigkeiten dicht aufeinander. Ständige Vorwürfe, Geldsorgen und die Kälte ihres Mannes machten sie mürbe, bis Katharina schließlich die Scheidung einreichte und mit ihrem kleinen Sohn wieder zu ihren Eltern zog.
Die vergangenen Jahre hatten sie erschöpft, dünnhäutig und innerlich leer zurückgelassen. Ihre Mutter sah, wie ihre Tochter Tag für Tag blasser wirkte, und sagte eines Abends mit einer Festigkeit, die keinen Widerspruch zuließ: „Du musst einmal Luft holen. Fahr ein paar Tage an die Ostsee, wechsel die Umgebung, ich bleibe mit dem Kleinen hier.“ Dann fügte sie sanfter hinzu: „Du ruhst dich aus, bekommst ein wenig Farbe, erinnerst dich daran, dass du auch noch ein Mensch bist, und kommst wieder zu dir.“
Lange wehrte Katharina sich dagegen, doch schließlich nahm sie Urlaub und fuhr in ein Seebad, gerade als der Herbst noch einmal unerwartet warm und weich wurde. Ihre Gedanken blieben trotzdem ständig zu Hause bei ihrem Sohn. Mehrmals täglich rief sie ihre Eltern an, nur um seine Stimme zu hören und sicherzugehen, dass ihm nichts fehlte.
An einem Abend, als sie vom Strand zurückkam, kaufte sie auf dem Weg eine große, reife Wassermelone. Schon stellte sie sich vor, wie sie sie später aufschneiden würde, wie der kalte süße Saft nach der Hitze des Tages über die Finger laufen würde. Katharina trug die schwere Frucht vorsichtig vor der Brust, beide Arme fest darum gelegt. Da bog plötzlich eine laute Gruppe junger Leute um die Ecke.
Instinktiv machte sie einen Schritt zur Seite, um nicht mit ihnen zusammenzustoßen. In genau diesem Moment rempelte sie jemand von hinten an. Ihre Hände gaben nach, die Melone rutschte ihr aus den Armen und platzte mit einem dumpfen Knall auf dem Gehweg auseinander. Rote, saftige Stücke sprangen über die Steine.
„Bitte lassen Sie mich das wiedergutmachen“, sagte neben ihr eine tiefe, angenehme Männerstimme.
Katharina richtete sich auf und klopfte sich den Staub von der Kleidung. Aus diesem zufälligen Zusammenprall entwickelte sich in wenigen Augenblicken etwas, womit sie niemals gerechnet hätte: eine helle, atemlose Urlaubsgeschichte, die sie wie ein warmer Wind erfasste.
Die freien Tage vergingen so schnell, als hätte jemand sie zu einem einzigen sonnigen Augenblick zusammengedrückt. Doch als Katharina wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehrte, blieb sie wie versteinert stehen.
Denn im Büro der Abteilungsleiterin, direkt hinter dem Schreibtisch der strengen und ständig gereizten Sabine Hartmann, saß ER.
Der Mann aus dem Seebad. Der Fremde mit der tiefen Stimme, der ihr nach der zersprungenen Wassermelone geholfen hatte. Der Mensch, mit dem sie die letzten fünf Urlaubstage verbracht hatte, als hätte es keine alte Verletzung, keine Scheidung, keine Müdigkeit und keine Angst vor neuem Vertrauen gegeben. Sein Lächeln, seine Hände, sein Flüstern in dem dunklen Zimmer mit Blick aufs Meer — all das schlug in diesem Augenblick mit voller Kraft in ihr auf.
Nur war er jetzt ein anderer. Kein lässiger Urlauber im hellen Hemd, der nach Salz, Sonne und Wind roch, sondern ein konzentrierter, selbstsicherer Mann in einem teuren dunklen Anzug. Er diktierte der Assistentin gerade etwas, als Katharina in der Tür stehen blieb und ihre Tasche aus der Hand gleiten ließ.
Er hob den Kopf.
Ihre Blicke trafen sich.
Die Stille dauerte vielleicht nur wenige Sekunden, doch für Katharina dehnte sie sich ins Unerträgliche. Sie war auf alles gefasst: ein verlegenes Lächeln, kühle Gleichgültigkeit, Spott oder wenigstens sichtbare Verwirrung. Aber Lukas — erst jetzt sah sie seinen Namen auf dem Schild „Leiter der Regionalentwicklung“ — stand langsam auf, ignorierte die erstaunten Gesichter der Mitarbeiter und ging direkt auf sie zu.
„Katharina“, sagte er so ruhig, als hätten sie sich erst am Vorabend verabschiedet. „Ich habe auf Sie gewartet.“
„Sie… wussten es?“ Ihre Stimme brach fast weg, während sie das Gefühl hatte, der Boden unter ihr würde nachgeben. „Sie wussten, wo ich arbeite?“
Er trat näher und senkte die Stimme, damit nur sie ihn hören konnte.
„Nein. Aber heute Morgen habe ich Ihr Foto in der Personalmappe gesehen. Da wusste ich, dass das hier kein Zufall ist.“
Katharina blickte unsicher zu den Kollegen, die einander bereits vielsagende Blicke zuwarfen, zur langsam zufallenden Tür des Büros und zur Assistentin, die sich angestrengt bemühte, so zu tun, als ginge sie das alles nichts an.
„Ich habe einen Sohn“, flüsterte sie. „Und ich… ich bin keine Frau, die sich ein zweites Mal kopflos in Gefühle stürzt, ohne an die Folgen zu denken.“
Behutsam nahm er ihre Hand, so vorsichtig, als könnte eine zu schnelle Bewegung alles zerstören.
„Und ich bin kein Mann, der nach belanglosen Abenteuern sucht. Diese fünf Tage waren das Beste, was mir seit meiner Scheidung passiert ist. Wenn Sie es zulassen, werde ich Sie zu nichts drängen. Ich werde warten. Ich werde Ihren Sohn kennenlernen. Und ich werde Ihnen beweisen, dass ich nicht nur am Meer neben Ihnen stehen kann, sondern auch im ganz normalen Alltag.“
Sie sah zu ihm auf. In seinen Augen lag kein Spiel, keine Selbstgefälligkeit, kein Versuch, Eindruck zu machen. Da waren nur Wärme, Ruhe und eine Aufrichtigkeit, die Katharina plötzlich Tränen in die Augen trieb.
„Unglaublich“, sagte sie kaum hörbar. „Ich wusste ja nicht einmal, wer Sie wirklich sind.“
„Jetzt wissen Sie es.“ Er lächelte mit genau jenem Lächeln, bei dem ihr im Urlaub jedes Mal die Knie weich geworden waren. „Und wenn ich etwas falsch gemacht habe, bringe ich es zu Ende, bis es wieder richtig ist.“
Ein halbes Jahr später heirateten sie. Katharinas Mutter betrachtete ihre strahlende Tochter, lächelte nur und schüttelte leise den Kopf. „Ich habe es dir doch gesagt: Das Schicksal findet dich, egal, wo du dich versteckst. Sogar neben einer zerbrochenen Wassermelone.“
Die frühere Abteilungsleiterin Sabine Hartmann konnte sich allerdings nie erklären, weshalb Katharinas Foto ausgerechnet einen Tag vor ihrer Rückkehr aus dem Urlaub in der Mappe „Neue Mitarbeiter“ auf dem Schreibtisch des neuen Leiters gelandet war.
Aber das war bereits eine ganz andere Geschichte.
Ende.