Ein junger Mann begann plötzlich, meine 83-jährige Nachbarin regelmäßig zu besuchen – und schon bald machte mir sein Verhalten große Angst

Выкл. Автор ChatGpt
Ein junger Mann begann plötzlich, meine 83-jährige Nachbarin regelmäßig zu besuchen – und schon bald machte mir sein Verhalten große Angst

Ich blieb noch einige Sekunden auf der Haustreppe stehen, verwirrt und ein wenig beschämt. Ein Teil von mir fragte sich, ob meine Fragen sie verletzt hatten. Elisabeth war alt, aber keineswegs hilflos. Sie hatte jedes Recht, selbst zu entscheiden, wie sie ihr Leben führen wollte.

Trotzdem ließ mich dieses Gespräch nicht los.

Zwei Tage später sah ich Jonas zum ersten Mal.

Ich wollte gerade zur Arbeit fahren, als Elisabeths Haustür aufging. Ein junger Mann trat heraus und zog die Tür sorgfältig hinter sich zu.

Er konnte kaum älter als zwanzig sein.

Er trug ausgewaschene Jeans, einen schlichten grauen Kapuzenpullover und abgetragene Turnschuhe. Sein dunkles Haar stand unordentlich ab, und seine schmale Gestalt ließ ihn noch jünger wirken. Er sah überhaupt nicht aus wie der charmante Betrüger aus irgendeiner Krimiserie. Eher wie ein ganz gewöhnlicher junger Mann, der Mühe hatte, finanziell über die Runden zu kommen.

Als er bemerkte, dass ich ihn ansah, blieb er stehen.

„Guten Morgen“, sagte er.

„Morgen.“

Sein Blick wanderte kurz zu meinem Haus und dann wieder zu mir.

„Sie müssen Hannah sein.“

Dass er meinen Namen kannte, machte mich sofort unruhig.

„Und du bist Jonas.“

Er nickte.

„Wie geht es Elisabeth?“, fragte ich.

„Gut.“

„Ich habe sie in letzter Zeit gar nicht draußen gesehen.“

„Sie ist schnell müde.“

Er sprach höflich, doch in seiner Stimme lag etwas Vorsichtiges. Bevor ich das Gespräch fortsetzen konnte, ging Jonas zu einem älteren Auto am Straßenrand, stieg ein und fuhr davon.

In den folgenden zwei Wochen sah ich Elisabeth kein einziges Mal vor dem Haus.

Kein einziges Mal.

Jonas dagegen kam fast jeden Tag und ging wieder.

Manchmal erschien er morgens und blieb mehrere Stunden. An anderen Tagen stand sein Wagen die ganze Nacht vor Elisabeths Haus.

Bald öffnete er die Haustür sogar selbst mit einem eigenen Schlüssel.

Jedes Mal, wenn ich sah, wie er das Schloss aufsperrte, wuchs meine Sorge.

Ich redete mir ein, Elisabeth müsse glücklich sein. Vielleicht genoss sie einfach seine Aufmerksamkeit. Vielleicht erledigte Jonas inzwischen die Dinge im Haus, um die ich mich früher gekümmert hatte. Vielleicht beurteilte ich beide nur wegen des gewaltigen Altersunterschieds zu schnell.

Doch Elisabeth rief mich nicht mehr an.

Sie winkte auch nicht mehr aus dem Fenster und ging nicht mehr zum Briefkasten. Wenn ich anrief, hob sie nicht ab.

Stattdessen kamen kurze Nachrichten.

„Mir geht es gut. Mach dir keine Sorgen.“

Beim ersten Mal glaubte ich ihr.

Als dieselbe Art Nachricht ein zweites Mal erschien, starrte ich minutenlang auf mein Handy.

Elisabeth schrieb sonst ausführlich. Sie fügte immer irgendeine unnötige Einzelheit hinzu, begrüßte mich, stellte Fragen und erinnerte mich daran, eine Jacke anzuziehen. So knappe Nachrichten hatte sie mir noch nie geschickt.

Ich rief erneut an.

Niemand ging ran.

Wenige Minuten später kam wieder eine Nachricht.

„Mir geht es gut. Mach dir keine Sorgen.“

Wort für Wort dasselbe.

Mit diesen Nachrichten stimmte etwas nicht.

Dann wurde eines Nachmittags ein Paket für Elisabeth versehentlich vor meiner Tür abgestellt.

Ich nahm den Karton und trug ihn hinüber.

Mehrmals klopfte ich, aber niemand öffnete.

„Elisabeth?“, rief ich. „Ich bin’s, Hannah.“

Stille.

Ich klopfte noch einmal, diesmal stärker.

Keine Reaktion.

Meine Unruhe schlug in echte Angst um. Ich ging zurück nach Hause und holte den Ersatzschlüssel, den Elisabeth mir vor vielen Jahren für Notfälle gegeben hatte.

Meine Hände zitterten, als ich die Tür aufschloss.

Im Haus war alles makellos sauber.

Zu sauber.

Kein schmutziges Geschirr stand herum, auf dem Tisch lagen keine Zeitungen, und auf Elisabeths Lieblingssessel fehlte sogar die Decke, die sonst immer über der Lehne hing.

Alles wirkte ordentlich aufgeräumt und zugleich seltsam unberührt.

Weder Elisabeth noch Jonas waren zu sehen.

„Elisabeth?“, rief ich erneut.

Da hörte ich etwas.

Aus dem Keller kam ein kaum wahrnehmbares Klopfen.

Mir wurde eiskalt, und ich rannte die Treppe hinunter.

Als ich die letzte Stufe erreichte, ertönte das Klopfen noch einmal.

„Elisabeth?!“, rief ich.

Hinter der Tür des Abstellraums antwortete eine schwache Stimme.

„Hannah?“

Ich stürzte durch den Keller und riss an der Klinke. Die Tür ließ sich nicht öffnen.

„Ich bin da“, sagte ich. „Geh von der Tür weg.“

Einmal warf ich meine Schulter dagegen, dann ein zweites Mal. Das alte Holz ächzte, hielt aber stand. Beim dritten Stoß sprang der Riegel heraus, und die Tür flog nach innen auf.

Elisabeth saß auf dem Boden neben einem Stapel Kartons. Ihr Gesicht war blass, mit einer Hand hielt sie sich den Knöchel. Ein umgekippter Holzhocker lag ein Stück von ihr entfernt.

„Mein Gott.“

Ich kniete mich sofort zu ihr.

„Bist du verletzt?“

„Der Knöchel“, flüsterte sie. „Ich bin gefallen, als ich etwas vom oberen Regal holen wollte. Die Tür ist hinter mir zugeschlagen, und das Schloss hat geklemmt.“

„Wie lange sitzt du schon hier?“

„Vielleicht eine Stunde.“

Erleichterung und Wut prallten in mir gleichzeitig aufeinander.