Ich bekam hundert gelbe Rosen, während mein Mann angeblich auf Geschäftsreise war – und die Anzahl der Blumen ließ mich die Polizei rufen

Выкл. Автор ChatGpt
Ich bekam hundert gelbe Rosen, während mein Mann angeblich auf Geschäftsreise war – und die Anzahl der Blumen ließ mich die Polizei rufen

Während ihr Mann nicht zu Hause war, erhielt Anna einen üppigen Blumenstrauß – ohne Karte und ohne Namen des Absenders. Zuerst wirkte alles wie eine romantische Überraschung. Doch als sie die Rosen genauer betrachtete, begriff sie, dass diese Blumen nicht aus Liebe geschickt worden waren.

Der Strauß wurde kurz nach Mittag geliefert.

Hundert gelbe Rosen.

Ich erinnere mich noch an jede Sekunde dieses Augenblicks. Gerade hatte ich mich vom Küchenspülbecken abgewandt, an dem ich eine Kaffeetasse ausgespült hatte, als es an der Haustür klingelte. Der Ton hallte durch das ganze Haus. Stirnrunzelnd blickte ich in Richtung Flur.

Thomas war für eine Woche auf Geschäftsreise.

Daran war zunächst nichts ungewöhnlich.

Nach achtzehn Jahren Ehe hatte ich mich an seinen Koffer neben der Schlafzimmertür gewöhnt, an seine Anrufe vom Flughafen und an die merkwürdig ordentlich wirkende Hälfte des Bettes, sobald er fort war.

Seine Arbeit führte ihn regelmäßig aus der Stadt. Manchmal blieb er zwei Nächte weg, manchmal die ganze Woche. Ich hatte das nie geliebt, aber ich wusste, dass unser Leben nun einmal so aussah. Wir waren lange genug in diesen Rhythmus hineingewachsen, um damit umgehen zu können.

Zwischen uns schien alles in Ordnung zu sein.

Keine eisige Stille.

Keine seltsamen Auseinandersetzungen.

Keine heimlichen Telefonate, die mich hätten misstrauisch machen müssen.

Unser Alltag verlief ruhig und vertraut.

Mit vierundvierzig glaubte ich nicht mehr daran, dass eine Ehe jeden Tag Funken sprühen musste. Manchmal bedeutete Liebe einfach eine kurze Nachricht wie: „Bin gelandet. Alles gut.“

Manchmal war Liebe, dass Thomas vor einer Reise meine Mandelmilch für den Kaffee kaufte, weil er wusste, dass ich selbst wieder vergessen würde, welche zu besorgen. Manchmal war Liebe ein stilles Abendessen, bei dem niemand gezwungen war, jede Pause mit Worten zu füllen.

Als ich also die Tür öffnete und einen Kurier mit einem riesigen Blumenstrauß vor mir stehen sah, musste ich unwillkürlich lächeln.

„Anna?“, fragte der Mann und spähte hinter den Rosen hervor.

„Ja, ich bin Anna.“

„Eine Lieferung für Sie.“

Er reichte mir den Strauß, und ich stieß beinahe ein erstauntes Lachen aus. Er war unglaublich schwer. Die Rosen leuchteten im Licht der Veranda beinahe golden. Ihre Blütenblätter waren dicht, makellos und weit geöffnet. Es waren so viele, dass ich kaum etwas anderes sehen konnte als eine gewaltige gelbe Wolke.

„Wow“, sagte ich und umfasste die in Papier gewickelten Stiele fester. „Jemand wollte wohl nicht an Kleinigkeiten sparen.“

Der Kurier lächelte höflich.

„Einen schönen Tag noch.“

Ich sah an den Blumen hinunter und erwartete, irgendwo zwischen den Blüten eine Karte zu entdecken.

Doch dort war keine.

„Ist keine Karte dabei?“, fragte ich, bevor er gehen konnte.

Er prüfte das kleine Etikett am Paket.

„Keine Karte. Auch keine Unterschrift. Nur Ihr Name.“

Nur mein Name.

Zunächst störte mich das nicht.

Thomas war nie ein Mann für lange romantische Nachrichten gewesen. Er schrieb keine Gedichte auf Grußkarten. Einmal hatte er mir zu unserem Jahrestag eine Kette geschickt, ohne ein Wort dazuzulegen. Am Abend rief er an und sagte: „Ich dachte, das Geschenk würde alles sagen.“

Damals hatte ich ihn noch damit aufgezogen.

Nun stand ich mit hundert gelben Rosen in den Armen vor unserer Haustür und beschloss, dass er mir eben aus der Ferne eine Überraschung machen wollte.

Ich trug den Strauß ins Haus und stellte ihn auf den Esstisch.

Die Blumen waren atemberaubend.

Das ließ sich nicht leugnen. Sie schienen den ganzen Raum zu erhellen, übergossen die polierte Tischplatte mit warmen Farben und ließen das Haus plötzlich lebendig, hell und beinahe festlich wirken. Ich drehte die Vase ein wenig und beobachtete, wie die Blütenblätter das Sonnenlicht einfingen.

Für einen kurzen Moment fühlte ich mich wirklich glücklich.

Dann veränderte sich etwas.

Zuerst war es nur ein kaum wahrnehmbares Gefühl. Ein leichter Druck unter den Rippen. Eine leise Unruhe, für die ich keinen Grund fand.

Dann fiel mir ein, dass Thomas wusste, wie sehr ich weiße Rosen liebte.

Das war keine Nebensache. Ich hatte es ihm während unserer Ehe oft genug erzählt. Bei unserer Hochzeit hatte ich weiße Rosen in den Händen gehalten. Als meine Mutter starb, hatte Thomas mir weiße Rosen gekauft. Auch bei unserem fünfzehnten Hochzeitstag standen weiße Rosen auf dem Tisch.

Die gelben Rosen waren wunderschön.

Aber sie waren nicht meine Rosen.

Ich verschränkte die Arme und starrte auf den Strauß.

„Thomas“, murmelte ich mit einem schwachen Lächeln, in dem bereits Unruhe lag. „Was hast du vor?“

Dann dachte ich über die Anzahl nach.

Genau hundert.

Nicht neunundneunzig.

Nicht hundertundeins.

Hundert.

Auf dem Etikett des Blumenladens war die genaue Stückzahl vermerkt.

Ich nahm es zwischen zwei Finger und las es erneut, als könnte sich die Zahl verändern, wenn ich nur lange genug hinsah.

Hundert gelbe Rosen.