Weil ich mich krankgemeldet hatte, lag ich unerwartet zu Hause – dann hörte ich einen Schlüssel im Schloss und entdeckte meinen angeblich verreisten Mann mit einer fremden Frau in unserer Küche

Выкл. Автор ChatGpt
Weil ich mich krankgemeldet hatte, lag ich unerwartet zu Hause – dann hörte ich einen Schlüssel im Schloss und entdeckte meinen angeblich verreisten Mann mit einer fremden Frau in unserer Küche

Um halb sieben riss das schrille Klingeln des Weckers Anna aus einem unruhigen Schlaf. Nur mit Mühe bekam sie die Augen auf. In ihren Schläfen pochte es, jeder Muskel schmerzte, und ihr Hals brannte so heftig, dass selbst ein kleiner Schluck Wasser unangenehm war. Sie versuchte, sich aufzurichten, doch ihre Beine fühlten sich schwer und kraftlos an. Nach wenigen Sekunden sank sie erschöpft zurück ins Kissen. Draußen prasselte ununterbrochen Regen gegen die Scheiben. Das niedrige, graue Wolkendach hing über den Häusern und machte den Morgen noch trostloser.

Die andere Bettseite war bereits leer. Ihr Mann Martin hatte das Haus gegen sieben Uhr verlassen. Er hatte angekündigt, wegen eines beruflichen Termins für einige Tage unterwegs zu sein. Bevor er gegangen war, hatte er sich zu Anna hinuntergebeugt, ihr vorsichtig einen Kuss auf die Stirn gegeben und gesagt:

„Du solltest heute wirklich zu Hause bleiben. In den letzten Wochen hast du überhaupt nicht mehr auf dich geachtet.“

Anna hatte ihm ein mattes Lächeln geschenkt.

„Es geht schon. Heute muss der wichtige Bericht fertig werden. Ich kann die anderen nicht damit alleinlassen.“

Martin hatte nur den Kopf geschüttelt.

„Du denkst ständig an die Arbeit. Wenigstens einmal solltest du an dich selbst denken.“

Nachdem die Wohnungstür hinter ihm ins Schloss gefallen war, blieb Anna noch einige Minuten liegen und starrte an die Decke. Schließlich zwang sie sich aufzustehen.

Im Badezimmer erschrak sie beinahe vor ihrem eigenen Spiegelbild. Ihr Gesicht war ungewöhnlich blass, die Augen gerötet und geschwollen. Das Thermometer zeigte 38,7 Grad. Anna seufzte müde. Seit acht Jahren arbeitete sie in der Buchhaltung, und in dieser ganzen Zeit war sie fast nie wegen einer Krankheit zu Hause geblieben. Selbst an Tagen, an denen sie sich kaum auf den Beinen halten konnte, hatte sie sich ins Büro geschleppt. Sie wollte weder ihre Kollegen enttäuschen noch ihnen zusätzliche Aufgaben aufbürden.

Doch an diesem Morgen schien ihr Körper endgültig beschlossen zu haben, nicht länger mitzumachen. Anna suchte die Nummer ihres Vorgesetzten heraus und rief ihn an.

„Herr Krüger, entschuldigen Sie bitte die frühe Störung. Mir geht es heute wirklich schlecht. Wäre es möglich, dass ich mich für den Tag krankmelde?“

„Selbstverständlich“, antwortete ihr Chef ohne Zögern. „Und kommen Sie bloß nicht auf die Idee, trotzdem hier aufzutauchen. Kurieren Sie sich aus. Die Arbeit läuft nicht weg.“

Anna bedankte sich erleichtert und beendete das Gespräch. Danach zog sie sich warm an und ging in die kleine Apotheke zwei Straßen weiter. Sie kaufte Medikamente, Kräutertee, ein Glas Honig und einige Zitronen. Der kurze Weg erschöpfte sie mehr, als sie erwartet hatte.

Als sie wieder in der Wohnung stand, wurde ihr so schwindelig, dass sie sich im Flur an der Kommode festhalten musste. Sie zog ihre nassen Sachen aus, nahm die Tabletten und bereitete sich eine große Tasse heißen Tee zu. Ohne die dicken Wollsocken auszuziehen, kroch sie zurück ins Bett und zog die Decke bis ans Kinn.

Nach wenigen Minuten ließ das Pochen in ihrem Kopf etwas nach. Ihre Lider wurden schwer, und sie glitt langsam in einen unruhigen Halbschlaf. Dann hörte sie plötzlich ein leises metallisches Geräusch.

Ein Schlüssel wurde im Schloss gedreht.

Anna öffnete sofort die Augen.

Auf der Digitaluhr neben dem Bett stand 11:15 Uhr. Für einen Moment redete sie sich ein, das Geräusch müsse aus der Nachbarwohnung gekommen sein. Vielleicht war jemand im Treppenhaus gegen eine Tür gestoßen. Doch wenige Sekunden später drangen gedämpfte, vorsichtige Schritte aus dem Flur zu ihr.

Jemand war in der Wohnung.

Anna setzte sich langsam auf. Ihr Herz begann immer schneller zu schlagen. Martin konnte es nicht sein. Er sollte längst unterwegs sein und hatte keinen Grund, mitten am Vormittag zurückzukommen. Außerdem erwartete sie niemanden.

So leise wie möglich verließ sie das Bett. Die Schwäche in ihren Beinen machte jeden Schritt unsicher. Sie schlich zur Schlafzimmertür, öffnete sie nur einen Spaltbreit und lauschte.

Aus der Küche kamen Stimmen.

Die erste erkannte sie sofort.

Es war Martin.

Die zweite gehörte einer Frau.

Anna spürte, wie sich ihre Brust schmerzhaft zusammenzog. Kalter Schweiß trat ihr auf die Stirn, obwohl sie wegen des Fiebers ohnehin glühte.

„Mach dir keine Sorgen“, sagte Martin leise. „Sie ist um diese Zeit garantiert im Büro.“

Die Frau lachte gedämpft.

„Dann ist ja gut. So können wir alle Unterlagen in Ruhe durchsehen.“

Unterlagen?

Anna hatte mit allem gerechnet, nur nicht mit diesem Wort. Durch den schmalen Türspalt konnte sie einen Teil der Küche erkennen. Martin saß einer Frau gegenüber, deren Gesicht Anna aus diesem Winkel nicht sehen konnte. Zwischen ihnen lagen eine dicke Mappe, mehrere Blätter, zwei Umschläge und ein aufgeklappter Laptop.

Anna hielt den Atem an.

„Bist du dir wirklich sicher, dass sie nichts ahnt?“, fragte die Frau.

„Vollkommen sicher“, erwiderte Martin. „Für sie wird das eine echte Überraschung.“