Meine Freunde warnten mich eindringlich, doch mit fünfzig heiratete ich eine 25-jährige Schönheit — und schon in der Hochzeitsnacht begriff ich, wie bitter man für blinde Eitelkeit bezahlen kann
Ich bin jetzt sechzig Jahre alt, und diese Geschichte erzähle ich noch immer nicht ohne Scham. Vor zehn Jahren hielt ich mich für einen erwachsenen, vernünftigen Mann, für jemanden, der das Leben kannte und sich von niemandem mehr etwas vormachen ließ. Und dann verlor ich mit fünfzig neben einer jungen Schönheit komplett den Verstand und benahm mich wie der dümmste Kerl weit und breit. Das Schlimmste daran: Niemand hat mich gezwungen. Ich bin mit offenen Augen hineingelaufen, stolz, selbstsicher und überzeugt, dass mir so etwas niemals passieren könnte.
Mit fünfzig stand ich für deutsche Verhältnisse ziemlich ordentlich da. Zusammen mit einem Geschäftspartner führte ich eine kleine Spedition, „BergerTrans“: zwölf Sattelzüge, ein eigener Hof im Gewerbegebiet Leipzig-Engelsdorf, feste Kunden, solide Verträge. Angefangen hatte ich ganz unten, als Fahrer. Ich schlief im Führerhaus, aß an Raststätten Frikadellenbrötchen und Currywurst, legte jeden Euro für den ersten eigenen Lkw zur Seite, so wie andere auf eine Eigentumswohnung sparen. Mit fünfzig hatte ich ein Unternehmen, einen Namen in der Branche, eine Dreizimmerwohnung nahe der Leipziger Innenstadt und eine Garage mit einer schwarzen G-Klasse. Mein Sohn Lukas aus erster Ehe war längst erwachsen, lebte in Hamburg und arbeitete als Ingenieur in einer Werft. Von meiner ersten Frau hatte ich mich ruhig getrennt, ohne Schmutz, ohne Hass. Wir waren einander einfach fremd geworden. Auch das passiert.
Ich sah für mein Alter nicht schlecht aus. Vielleicht waren es die Gene, vielleicht die Disziplin. Leicht war meine Arbeit jedenfalls nie gewesen. Trotzdem ging ich dreimal pro Woche ins Fitnessstudio, schwamm samstags meine Bahnen und hatte keinen Bauch, der über den Gürtel hing. Mein Haar war dicht, inzwischen silbergrau, aber gerade das gefiel manchen Frauen. Sie sahen mich an, das will ich gar nicht leugnen. Und ich sah zurück. Ich lebte frei, traf Frauen, trennte mich wieder, log niemandem etwas vor und versprach nichts, was ich nicht halten wollte. Alles war übersichtlich.
Bis ich falsch abbog.
Es war im Oktober, als ich in ein Nutzfahrzeugzentrum fuhr. Ich wollte einen neuen Zugwagen ansehen, weil ich unsere Routen erweitern wollte. Ich saß im Wartebereich, blätterte in einem Katalog, und da kam sie auf mich zu.
Vanessa. Fünfundzwanzig. Verkaufsberaterin. Hohe Absätze, enger Bleistiftrock, eine Bluse, die einen Knopf weiter offenstand, als es die Hausordnung des Autohauses vermutlich vorgesehen hatte. Ihr Haar war lang, dunkelblond und glänzend, so eine Sorte Haar, bei der ein Mann unwillkürlich daran denkt, wie es sich wohl anfühlen würde. Ihre Augen waren grün, weich und gleichzeitig listig, und sie lächelte so, dass bei Männern der Teil des Gehirns aussetzt, der für Vorsicht zuständig ist.
— Interessieren Sie sich für den Actros? — fragte sie und beugte sich über den Katalog, so nah, dass ich ihr Parfüm roch. Süßlich, vanillig, völlig fehl am Platz zwischen Prospekten für Nutzfahrzeuge und Reifenprofilen. — Sehr gute Wahl. Sie sind bestimmt Unternehmer, wenn Sie sich so eine Maschine anschauen.
— Ach, Unternehmer, — sagte ich. — Ich lasse nur ein paar Laster durch die Republik fahren. Arbeit eben.
— Ein paar? — Sie riss die Augen auf, als hätte ich gesagt, mir gehöre halb Sachsen. — Wie viele denn?
— Zwölf.
— Zwölf? Wahnsinn. Mein Vater hatte sein Leben lang nur einen alten Transporter.
Wir lachten. Dann redeten wir weiter. Sie nahm meine Nummer auf, angeblich wegen des Angebots für den Zugwagen. Am nächsten Tag rief sie an. Allerdings nicht mehr wegen des Zugwagens.
Und eines muss man von Anfang an verstehen: Nicht ich bin ihr hinterhergelaufen. Sie kam auf mich zu. Jung, hübsch, strahlend. Und ich, ein Mann von fünfzig, der meinte, schon alles gesehen zu haben, fiel darauf herein wie ein Schuljunge. Weil es schmeichelte. Weil man fünfzig ist und eine Fünfundzwanzigjährige einen anschaut, als wäre man der einzige Mann auf der Welt. Ich hatte mich längst an Frauen zwischen fünfunddreißig und fünfundvierzig gewöhnt, an Frauen mit Kindern im Studium, halb abbezahlten Krediten und einem Blick auf das Leben ohne Illusionen. Und plötzlich kommt so ein junges Ding von selbst. Da beginnt man zu glauben, man sei noch ein ganzer Kerl.
Als Erstem erzählte ich es Rainer. Rainer war mein alter Freund, noch aus Zeiten, als wir beide auf fremden Lkw saßen und Kilometer fraßen. Er war damals sechsundfünfzig, zweimal geschieden, wollte nie wieder heiraten und traf sich regelmäßig mit deutlich jüngeren Frauen, mit Genuss und ohne Selbstbetrug. Bei ihm gab es immer irgendeine junge „Bekannte“: mal eine Physiotherapeutin, mal eine Fitnesstrainerin, mal eine Buchhalterin mit perfekten Nägeln.
Wir saßen in seinem Kleingartenhäuschen am Stadtrand. Grillfleisch, Korn, Abendluft. Ich erzählte von Vanessa.
Rainer hörte zu, drehte den Grillspieß in der Hand und verzog schließlich das Gesicht zu einem breiten, zufriedenen Grinsen.
— Klaus, alter Junge, du bist ja ein Glückspilz. Fünfundzwanzig! Frisches Blut! Genehmigt. Nimm mit, was kommt, solange sie freiwillig zu dir läuft. Wir sind keine Knaben mehr, wir haben uns ein bisschen Spaß verdient, oder?
— Sie ist der Wahnsinn, Rainer. So eine Frau, weißt du… puh.
— Puh, — schnaubte er. — Klaus, die sind alle „puh“, solange du das Abendessen zahlst. Ich mache mir da nichts vor: Ich bezahle, ich genieße, ich gehe nach Hause. Alle wissen, woran sie sind. So ist es sauber. Du sollst ruhig Spaß haben, fahr mit ihr irgendwohin, zeig ihr ein bisschen schönes Leben. Aber merk dir eins. — Er zeigte mit dem Grillspieß auf mich, als wäre es ein Zeigestock. — Triff sie, verwöhn sie, genieß sie. Aber heiraten wirst du sie nicht. Du könntest ihr Vater sein. Solche Mädchen sind bei Männern wie uns wegen der Praline, Klaus. Wegen der hübsch verpackten Praline, nicht wegen der großen Liebe. Liebe ich meine jungen Freundinnen? Nein. Lieben sie mich? Auch nicht. Trotzdem sind alle zufrieden. Also mach keinen Unsinn, nur weil dir der Kopf schwirrt.
— Ach komm, Rainer, welche Hochzeit denn? Ich bin doch kein Trottel.
— Sehr gut. Dann trinken wir auf die Jungen und Einverständigen.
Wir tranken. Nur wusste er damals nicht — und ich begriff es selbst nicht —, dass ich innerlich schon verloren war.
Das erste Warnsignal kam eine Woche später. Ich holte Vanessa nach Feierabend ab. Sie hatte mich gebeten, sie mitzunehmen, ihr Auto sei in der Werkstatt. Ich wartete vor dem Autohaus und sah, wie sie herauskam. Aber nicht allein. Neben ihr lief ein Mann um die dreißig, sportliche Jacke, sicherer Schritt. Er sagte etwas, sie lachte, er fasste sie am Ellbogen. Sie zog den Arm weg, aber nicht sofort, erst eine Sekunde später, als sie meine G-Klasse bemerkte.
Sie stieg ein und küsste mich auf die Wange.
— Wer war das? — fragte ich.
— Ach, Marco. Mein Ex. Wir haben uns praktisch einen Tag bevor ich dich kennengelernt habe getrennt. Er kommt damit noch nicht klar, aber ich habe es ihm erklärt. Jetzt gibt es nur noch dich. Mit uns ist es ernst. Mach dir keine Sorgen, Schatz.
Einen Tag vorher. Praktisch. Natürlich.
Ein vernünftiger Mann hätte sich gefragt: Weiß dieser Marco eigentlich auch, dass sie getrennt sind? Oder lebt er in einer ganz anderen Wirklichkeit? Aber ich fragte nicht. Denn sie legte ihre Hand auf mein Knie, sah mich mit ihren grünen Augen an und flüsterte:
— Fahr zu dir. Ich habe den ganzen Tag auf meinen starken Mann gewartet.
Und ich fuhr.
Ich sage es geradeheraus: Im Bett war diese Frau wie ein Naturereignis. Ein Orkan. Ich hatte in fünfzig Jahren einiges erlebt, aber so etwas nicht. Jeden Tag. Sie fing an. Sie schlug Dinge vor. Sie kam auf Ideen, für die ich nicht einmal Begriffe kannte. Ich fühlte mich nicht nur wie mit zwanzig, sondern besser, weil ich mit zwanzig weder Geld noch Selbstbewusstsein gehabt hatte. Jetzt hatte ich beides. Und ich, erwachsener Mann, deutete das wie der letzte Dummkopf so: Sie kann nicht anders, weil ich so unwiderstehlich, reif und erfolgreich bin.
Nein, Klaus. Du warst einfach ein Schaf.
Das zweite Warnsignal kam nach zwei Monaten.
Ich rief sie an einem Freitagabend an. Sie ging nicht ran. Eine Stunde später meldete sie sich. Ihre Stimme war weichgewaschen, die Wörter zogen sich wie Honig über einen Löffel.
— Schaaatz, hallooo. Warum rufst du denn aaaan? Wir sitzen hier mit den Mädels, Nadines Geburtstag, voll lustig…
Betrunken. Und zwar richtig.
Ich fuhr hin. Den „Geburtstag“ feierte sie zu zweit: sie und eine Flasche Martini. Keine Nadine weit und breit. Vanessa saß auf dem Flur ihrer Einzimmerwohnung auf dem Boden, die Wimperntusche verlaufen, die Strumpfhose am Knie zerrissen, sie kicherte albern und versuchte aufzustehen.
— Oooch, Schatz, warum bist du denn gekommen? Ich hab doch gesagt, alles ist gut! Ich hab mich nur ein bisschen entspannt. Die Arbeit war so nervig.
— Ein bisschen? Du hast allein eine Flasche getrunken. Hast du dich gesehen?
— Und? Darf ich das nicht? Ich bin erwachsen. Ich bin fünfundzwanzig, wenn ich trinken will, trinke ich. Wenn es dir nicht passt, guck weg. Willst du mich jetzt erziehen?
Am nächsten Morgen saß ein völlig anderer Mensch vor mir. Blass, still, schuldbewusst. Sie knetete den Saum meines T-Shirts, die Augen feucht.
— Klaus, ich muss dir etwas gestehen. Das, was du gestern gesehen hast… das war kein Ausrutscher. Ich… ich trinke. Ernsthaft. Schon lange. Seit ich sechzehn bin. Ich schäme mich, aber ich will ehrlich zu dir sein.
— Seit sechzehn?
— Es ist eben so gekommen. Mein Vater hat getrunken. Meine Mutter auch. Ich habe das als Kind gesehen und bin irgendwann selbst reingerutscht. Aber ich kann aufhören. Wirklich. Für dich. Für uns. Ich will normal leben, ehrlich. Ich brauche nur einen starken Mann an meiner Seite, der mir hilft. Du hilfst mir doch, oder? Du lässt mich nicht allein?
Und sie weinte. Schön weinte sie. Ohne Schreien, ohne Theater. Nur Tränen auf den Wangen, ein zitterndes Kinn und dieser Blick von unten nach oben. Wie ein Kätzchen, das jemand im Regen ausgesetzt hat.
Was hätte ein vernünftiger Mann tun müssen? Ihr ein Taxi rufen und sagen: „Lass dich behandeln, komm auf die Beine, dann reden wir weiter.“ Was tat ich? Ich nahm sie in die Arme, drückte sie an mich und sagte:
— Natürlich helfe ich dir. Du schaffst das, und wir bleiben zusammen. Ich verspreche es.
Und sie „hörte auf“. Einfach so. Kein Glas, kein Schluck. Einen Monat, zwei Monate, drei Monate. Nüchtern, zärtlich, aufmerksam. Ich glaubte ihr. Ich, der zwanzig Jahre im Transportgeschäft verbracht und das Leben in sämtlichen Schattierungen gesehen hatte, glaubte, eine Frau, die seit ihrem sechzehnten Lebensjahr trank, werde für immer damit Schluss machen, nur weil sie mich getroffen hatte.
Nach acht Monaten Beziehung machte ich ihr einen Antrag.
Rainer sagte ich es erst, nachdem wir den Termin beim Standesamt beantragt hatten. Ich rief ihn an wie ein Oberstufenschüler, mit lächerlicher Freude in der Stimme.
— Rainer, ich heirate!
Am anderen Ende wurde es still. So still und schwer, dass ich dachte, die Verbindung sei weg.
— Rainer? Hörst du mich?
— Ich bin da, — sagte er dumpf. — Klaus, sag mir, dass das ein Witz ist.
— Ist es nicht. Der Termin ist schon beantragt.
— Klaus. Mein alter Freund. Ich habe es dir gesagt. Ganz deutlich. Spaß haben, ja. Heiraten, nein. Sie ist fünfundzwanzig, du bist fünfzig. Du könntest ihr Vater sein. Was für eine Hochzeit? Schalt den Verstand ein, solange noch Zeit ist.
— Rainer, sie hat wegen mir aufgehört zu trinken. Sie ist anders. Du kennst sie einfach nicht.
— Wegen dir aufgehört zu trinken, — wiederholte er langsam. — Klaus, du bist ein Elch. Ein ehrbarer, hübscher, aber ein Elch. Sie hat nicht aufgehört. Solche Ex gibt es nicht. Sie hält gerade durch. Vielleicht hat sie sich zusammengerissen, vielleicht hält sie bis zur Hochzeit die Luft an. Und danach säuft sie wieder, nur dann als deine Ehefrau, mit Wohnsitz in deiner Wohnung und Ansprüchen auf das, was du dir jeden Tag erarbeitest.
— Ich dachte, du freust dich für mich, und du fängst wieder an. Ehrlich, du bist ein alter Nörgler.
— Nörgler? Klaus, ich rede als Freund, nicht als Neider. Sie braucht dich nicht als Mann, sondern als Geldbeutel. Einen Geldbeutel auf Beinen, der sich im Bett auch noch Mühe gibt. Denkst du, du bist der einzige gut erhaltene Fünfziger mit Geld? In diesem Autohaus sieht sie jeden Tag Männer wie dich: teure Autos, Firmen, volle Konten. Du hast nur tiefer angebissen als die anderen, und sie hat die Angel angezogen.
— Schluss, Rainer. Du versaust mir wirklich die Laune. Es ist entschieden.
Er seufzte schwer. So seufzt man, wenn man weiß, dass man einem Motor auch nicht erklären kann, er solle endlich aufhören zu klopfen.
— Gut, Klaus. Gut. Ich komme zur Hochzeit. Aber mein Geschenk ist für dich, nicht für sie. Ich schenke dir die Nummer eines sehr guten Scheidungsanwalts. Versteck sie und verlier sie nicht.
Damals war ich beleidigt. Hätte ich lieber nicht sein sollen.
Wir feierten die Hochzeit im „Kaiserhof“, mit Gästen, Live-Musik und einem Fotografen aus Berlin. Vanessa sah in ihrem weißen Kleid aus wie eine Seite aus einem Hochglanzmagazin. Die Männer an den Tischen sahen mich neidisch an. Nicht ein bisschen, sondern offen, fast greifbar. Und es gefiel mir. Gott, wie sehr es mir gefiel.
Als die Gäste gegangen waren, fuhr ich mit Vanessa in ein Seehotel am Markkleeberger See. Ich hatte die beste Suite gebucht: Kamin, Whirlpool, bodentiefe Fenster, Blick aufs Wasser und die Bäume. Für eine Woche. Ich wollte, dass alles wie im Film war.
Wir kamen ins Zimmer. Kerzen, Sekt — alkoholfrei, schließlich trank sie ja nicht mehr. Ich umarmte sie und begann, ihr Kleid zu öffnen.
Da trat sie einen Schritt zurück.
— Klaus, warte. Ich muss dir etwas sagen.
— Was ist los?
Sie setzte sich auf die Bettkante. Beine eng nebeneinander, Hände auf den Knien, Blick zum Boden. Ihre Stimme war ruhig, fast geschäftlich.
— Eigentlich mag ich das nicht so oft. Und ehrlich gesagt geht es mir auch ohne sehr gut.
Im ersten Moment verstand ich es nicht. Ich hielt es für einen Scherz. Irgendein Hochzeitsspiel.
— Wie meinst du das?
— Genau so. Mir ist es unangenehm. Es war mir immer unangenehm. Ich habe es ausgehalten, weil ich wusste, dass es dir gefällt. Aber jetzt sind wir Mann und Frau, und ich will, dass zwischen uns Ehrlichkeit herrscht. Einmal im Monat reicht mir völlig.
Ich stand mitten in dieser Suite für viel zu viel Geld, das Hemd halb offen, ein Glas alkoholfreien Sekt in der Hand, und starrte die Frau an, die acht Monate lang jeden Tag von selbst zu mir gekommen war — jeden Tag — und nun, nur ein paar Stunden nach der Trauung, ruhig erklärte, das alles sei ihr „unangenehm“.
— Warte mal, — sagte ich. — Du hast acht Monate lang so getan?
— Ich habe nicht so getan. Ich habe mich bemüht. Für dich.
— Vanessa, das nennt man Täuschung. Du hast gewartet, bis wir unterschrieben haben, und sagst mir das in der Hochzeitsnacht. Warum?
— Weil wir jetzt eine Familie sind, Klaus! Und in einer Familie muss man ehrlich sein! Oder hast du mich nur geheiratet, damit du Zugriff auf einen jungen Körper hast? Das ist übrigens ziemlich widerlich und verletzend. Bin ich für dich nur ein Spielzeug? Pfui, Klaus. Das hätte ich von dir nicht gedacht.
So lief der Trick. Verstehen Sie? Eben hatte sie zugegeben, mich acht Monate lang in die Irre geführt zu haben, und eine halbe Minute später war ich der Schuldige. Ich war widerlich, ich dachte nur an das eine, ich hatte meine arme junge Frau verletzt.
Was hätte ich tun müssen? Am nächsten Morgen zum Anwalt fahren. Die Ehe anfechten. Oder wenigstens sofort die Scheidung einreichen, solange noch nichts verwoben war und es kaum etwas zu teilen gab.
Was tat ich? Ich blieb. Weil ich mich schämte, wenn ich ehrlich bin. Vor den Gästen. Vor meinem Sohn. Vor Rainer, der mich gewarnt hatte, ich sei ein ausgewachsener Elch. Sich einen Tag nach der Hochzeit scheiden zu lassen, hätte bedeutet zuzugeben, dass man mich wie den letzten Trottel vorgeführt hatte. Und Klaus Berger war kein Trottel. Klaus Berger war ein erfolgreicher Unternehmer, Besitzer von zwölf Lkw, ein Mann mit einer jungen Ehefrau. Kein Trottel.
Doch, Klaus. Genau das warst du.
Am Ende lebten wir sechs Jahre zusammen. Sechs lange Jahre.
Vanessa richtete sich in meiner Wohnung ein, wie ein Kuckuck ein fremdes Nest übernimmt. Nicht mit Gewalt. Langsam. Weich. Schicht für Schicht. Erst die Renovierung: „Klaus, mit diesen Tapeten aus den frühen Zweitausendern kann man doch nicht leben, das ist ja Steinzeit.“ Dann das Auto: „Schatz, ich kann doch nicht immer mit der Straßenbahn fahren, lass uns wenigstens einen kleinen Wagen holen, vielleicht einen Honda.“ Dann Kurse: „Klaus, ich möchte eine Ausbildung zur Make-up-Artistin machen, das ist eine Investition in meine Zukunft.“ Dann Reisen: „Klaus, lass uns nach Italien fahren, ich brauche Luftwechsel, ich bin so müde.“
Müde. Wovon? Seit dem ersten Tag nach der Hochzeit arbeitete sie nicht mehr. Sie stand gegen Mittag auf, frühstückte, fuhr ins Fitnessstudio „Athletik Loft“ an der Karl-Liebknecht-Straße, danach Einkaufszentrum, Café, Maniküre. Zum Abendessen kam sie mit Tüten nach Hause. Sie kochte, wenn sie Lust hatte. Sie putzte, wenn sie Stimmung dafür fand. Im Schlafzimmer war fast nichts mehr. Einmal im Monat, wie angekündigt, und selbst dann mit einem Gesicht, als würde ihr jemand ohne Betäubung einen Zahn ziehen.
Ich brachte ihr jeden Freitag Blumen mit. Weiße Rosen, die liebte sie angeblich. Ich weiß es genau, weil ich später in der Banking-App siebzehn Zahlungen an „Blütenzauber GmbH“ innerhalb eines halben Jahres fand.
Und mit dem Trinken fing sie wieder an. Nicht sofort. Erst war es „ein Gläschen Wein im Restaurant, das ist doch Kultur, Klaus, ich saufe doch nicht, es geht nur um den Geschmack“. Aus einem Glas wurde eine Flasche zu Hause. Aus einer Flasche wurden zwei. Ich kam um elf Uhr abends von der Arbeit zurück: Sie lag im Bademantel auf dem Sofa, eine leere Chardonnay-Flasche auf dem Tisch, das Telefon in der Hand, die Augen glasig. Was sagte ich? Natürlich:
— Vanessa, du hast es versprochen.
Und sie antwortete:
— Ich trinke nicht. Das ist Wein. Wein ist kein Alkohol, Klaus. Das ist Kultur. In Italien trinken sie ihn wie Wasser. Du würdest das auch verstehen, wenn du dich ein bisschen auskennen würdest.
Irgendwann schliefen wir in getrennten Zimmern. Neben ihr einzuschlafen und von ihrer Fahne wieder aufzuwachen, konnte ich einfach nicht mehr.
Dann kam diese nächtliche Fahrt.
Um zwei Uhr morgens klingelte mein Telefon. Einer meiner Fahrer, Sven Krüger, war mit einem Kühlauflieger auf der A14 bei Grimma liegen geblieben. Der Auflieger voll mit tiefgefrorenem Fleisch, der Vertrag stand auf der Kippe. Ich zog mich an und fuhr los.
Ich fuhr durch die nächtliche Stadt, nahm die Umgehung Richtung Nordost — und an einer Ampel sah ich den weißen Honda. Vanessas Kennzeichen kannte ich auswendig. Zwei Uhr nachts. Das Auto stand vor einem Mehrfamilienhaus, das ich nicht kannte, in einem Innenhof, in dem ich nie gewesen war.
Ich fuhr vorbei. Zuerst musste ich mich um den Lkw kümmern. Die ganze Nacht hantierte ich mit Sven auf dem Seitenstreifen herum: Keilriemen, Werkzeug, Kälte, Dreck, Dunkelheit. Gegen Morgen hatten wir die Ladung irgendwie bis zum Lager gebracht.
Um sieben war ich wieder zu Hause. Vanessa schlief. Der Honda stand auf seinem gewohnten Platz im Hof, als wäre nie etwas gewesen.
— Warst du gestern noch irgendwo? — fragte ich beim Frühstück. Ruhig, als würde ich nach dem Wetter fragen.
— Nö, — sagte sie, ohne vom Handy aufzublicken. — Ich war den ganzen Abend zu Hause. Hab eine Serie geschaut und bin früh ins Bett.
Kein Muskel zuckte. Keine Wimper. So lügen Menschen, die es ständig tun: leicht, gewohnt, fast automatisch.
Ich stritt nicht. Ich begann zu prüfen.
Ich schaute in die Banking-App. Nicht in meine private, sondern in die gemeinsame Karte, die ich ihr „für den Haushalt“ eingerichtet hatte. In den letzten sechs Monaten: vierzehn Zahlungen in Restaurants, in denen wir nie zusammen gewesen waren. Neun Zahlungen in Bars. Drei Einkäufe bei Douglas, Parfüm für je siebzig, achtzig Euro. Zusammen fast viertausend Euro. Von der Haushaltskarte.
Und dann vibrierte eines Nachts ihr Telefon, als Vanessa wieder zu viel getrunken hatte und auf dem Sofa eingeschlafen war. Der Bildschirm war nicht gesperrt. Eine Nachricht: „Vany, kannst du morgen? Um eins wie immer? Freu mich.“ Absender: „Nico“.
Ich öffnete den Chat nicht. Ich sah mir nur die Liste an.
Nico. Steffen. Timo Kuschel. Arne. Kevin Rest. Marco Ex.
Marco. Genau der Marco aus dem Autohaus. Der angebliche Ex. Der, von dem sie sich „einen Tag“ vor unserer Begegnung getrennt hatte. Die letzte Nachricht an ihn war vom Vortag.
Ich legte das Telefon wieder exakt so hin, wie es gelegen hatte, mit dem Display nach unten.
Dann setzte ich mich in die Küche und machte mir Tee. Meine Hände zitterten nicht. Überhaupt zitterte nichts. In mir war nur Leere. Schwer, betonhart, wie eine riesige, dunkle Lagerhalle ohne Fenster.
Am Morgen rief ich Rainer an.
— Na, — sagte er. Mehr nicht. Nur dieses eine Wort. Wie ein Mann, der sechs Jahre lang auf diesen Anruf gewartet hatte und ihn trotzdem nie hatte bekommen wollen.
— Du hattest recht, — sagte ich.
— Klaus, von dieser Art Recht habe ich nichts. Also zur Sache. Ich habe dir damals die Nummer des Anwalts gegeben. Hast du mein Hochzeitsgeschenk aufgehoben?
— Ja.
— Ruf heute an. Nicht morgen. Nicht nächste Woche. Je länger du wartest, desto teurer wird es.
Aber ich rief nicht an.
Denn Vanessa merkte, dass sich etwas verändert hatte. Dass ich anders schaute. Anders schwieg. Und plötzlich wurde sie wieder zur liebevollen Frau. Aufmerksam. Sie kochte Abendessen. Zog das Kleid an, das ich mochte. Kam zu mir, legte die Arme um mich.
— Klausi, warum bist du so düster? Weißt du, ich habe nachgedacht. Unsere Ehe steckt offensichtlich in einer Krise. Ich sehe dich an, und mir tut das Herz weh. Du darfst dich doch nicht so aufregen, in deinem Alter, mit deinem Blutdruck. Bitte streite jetzt nicht, hör einfach zu. Lass uns zu einer Therapeutin gehen. Bei meiner Freundin Dana in der Firma gibt es eine wahnsinnig gute Paartherapeutin. Alle sagen, sie rettet Ehen.
— Na gut, — sagte ich. Warum, weiß ich bis heute nicht. Vielleicht war es mein letzter Versuch, noch einmal zu glauben.
Die Therapeutin hieß Dr. Sabine Hoffmann. Praxis in der Südvorstadt, Diplom im Rahmen an der Wand, ein Kaktus auf der Fensterbank. Zwölf Sitzungen zu je hundertzwanzig Euro. Danach wurde es deutlich mehr.
In der dritten Sitzung erzählte ich die Sache aus meiner Sicht. Vor allem sagte ich, dass ich von ihren Nachrichten mit anderen Männern wusste. Ich dachte, die Therapeutin würde sagen: Das ist ernst, das geht nicht, hier muss eine Entscheidung her. Vanessa saß neben mir und weinte schön. Das konnte sie perfekt.
Dr. Hoffmann hörte zu, nahm die Brille ab, putzte die Gläser und sagte:
— Herr Berger, Sie müssen verstehen: Vanessa ist eine junge Frau mit eigenen Bedürfnissen, die Sie leider nicht immer erfüllen. Bei einem solchen Altersunterschied ist das nicht ungewöhnlich. Sie arbeiten viel, Sie sind älter, Sie haben unterschiedliche Lebensrhythmen. Ihr Verhalten ist nicht einfach nur Untreue, es ist ein Hilferuf. Ein Zeichen dafür, dass ihr Aufmerksamkeit, emotionale Nähe und Verständnis fehlen. Für Sie wäre wichtig, sie so anzunehmen, wie sie ist, und an sich selbst zu arbeiten.
— Ich? An mir arbeiten? — fragte ich.
— Ja. An Ihrer Eifersucht, an Ihrem Kontrollbedürfnis, an Ihren Erwartungen. Sie setzen Vanessa mit Ihren Maßstäben unter Druck, und sie fühlt sich eingeengt. Sie sucht im Außen Entlastung, im Kontakt mit anderen Menschen, damit sie diese Spannung nicht an Ihnen auslässt. Wenn die Beziehung harmonisch wäre, wenn ihre emotionalen Bedürfnisse ausreichend gesehen würden, müsste sie nicht woanders hinschauen. Auch der Alkohol hängt damit zusammen. Das kann Protestverhalten sein.
Vanessa nickte und tupfte sich mit einem Taschentuch die Augen. Sehr schön nickte sie.
Ich machte alle zwölf Sitzungen mit. Dann noch zehn. Dann noch einige weitere. Am Ende waren es über fünfundzwanzigtausend Euro in einem halben Jahr, nur um mir erklären zu lassen, dass meine Frau fremdging, weil ich ein schlechter Ehemann war und ihr zu wenig Aufmerksamkeit schenkte.
Als ich mich schließlich an den Tisch setzte und nicht mehr Gefühle, sondern Zahlen rechnete, wie ich es aus der Firma kannte, ergab sich ein klares Bild.
Renovierung der Wohnung: zweiunddreißigtausend Euro. Auto: neunzehntausend. Unterhalt über sechs Jahre, wenn man Restaurants, Kleidung, Kurse, Urlaube, Maniküre, Kosmetikbehandlungen und Fitness zusammenrechnete: grob neunzigtausend. Therapeutin: über fünfundzwanzigtausend. Zusammen schon weit über hundertsechzigtausend Euro. Und da war noch nicht eingerechnet, was bei der Scheidung auf mich wartete. Für dieses Geld, verzeih mir Gott, hätte ich jede Woche eine andere junge Freundin ausführen können. Rainer hatte so bitter recht gehabt.
Bei der Scheidung kam nämlich Folgendes: Vanessa hatte Anspruch auf die Hälfte dessen, was während der Ehe erwirtschaftet worden war. Sechs Jahre sind keine Kleinigkeit. Der Anwalt — genau der, dessen Nummer Rainer mir zur Hochzeit geschenkt hatte — sah sich die Unterlagen an, dann sah er mich an und sagte:
— Herr Berger, ich sage Ihnen etwas Unangenehmes, aber ehrlich. Die Zugmaschine, die während der Ehe gekauft wurde, gehört zur Zugewinnthematik. In diesen Jahren haben Sie drei Fahrzeuge angeschafft. Dazu Rücklagen. Dazu die Wertsteigerung durch Renovierung. Wenn Ihre Frau eine gute Anwältin findet — und das wird sie —, verlieren Sie noch einmal mehrere Hunderttausend. Stellen Sie sich auf eine harte Phase ein. Und ganz offen: Lassen Sie vorher Ihr Herz untersuchen und nehmen Sie etwas zur Beruhigung.
Ich reichte die Scheidung ein.
Vanessa weinte nicht. Sie flehte nicht. Sie machte keine Szene. Sie lächelte nur mit demselben Lächeln, mit dem sie mir damals im Autohaus entgegengetreten war, und sagte:
— Na, Klaus, du bist selbst schuld. Ich habe dir Chancen gegeben. Aber du hast nie gelernt, ein normaler Mann zu sein. Sei mir nicht böse, aber du bist eben schon ein alter Herr, auch wenn du dich jung gibst. Entschuldige, dass ich es so direkt sage, aber du hast dein ganzes Leben hinterm Steuer verbracht. Was für ein Ehemann soll aus dir werden?
— Alter Herr, — wiederholte ich.
— Ja. Und ich bin jung. Ich will leben. Bei dir gibt es nur Arbeit, Arbeit, Arbeit. Alles für die Laster, nichts für mich. Ich kann immer noch gut heiraten und Kinder bekommen. Nur natürlich nicht von dir. Von dir wollte ich nie welche.
— Hat dir neben mir jemals irgendetwas gefehlt?
— Ach, jetzt geht das los. Jetzt fängt er an zu rechnen. Kleinlicher alter Mann. Genau deshalb kann man dich nicht lieben, Klaus. Du bist kein Mann, du bist wie der Maulwurf aus Däumelinchen. Ein langweiliger alter Buchhalter mit grauen Haaren und Schwielen — an den Händen und am Lenkrad. Tut mir leid, aber so ist es.
Ich stand wortlos auf und ging. Danach sprach ich nie wieder direkt mit ihr. Nur noch über Anwälte.
Die Scheidung zog sich vier Monate. Sie nahm sich eine Anwältin, eine zähe Frau aus einer Kanzlei namens „Familienrecht & Frauenstimme“, spezialisiert auf die „Vertretung weiblicher Interessen bei Trennung und Scheidung“. Was diese Vertretung bedeutete, war einfach: aus dem Ehemann so viel wie möglich herausholen.
Und sie holten es heraus. Das Gericht sprach ihr zweihundertachtzigtausend Euro Ausgleich zu, dazu blieb der Honda bei ihr, den ich gekauft hatte. Die Wohnung blieb mir, sie war vor der Ehe erworben worden, Gott sei Dank. Aber die Rücklagen, die ich über zwanzig Jahre aufgebaut hatte, wurden schwer getroffen. Ich musste Geld aus dem Betrieb ziehen, um keine Fahrzeuge zu verkaufen und keine Verträge zu verlieren.
An diesem Abend kam Rainer ohne Anruf vorbei. Er brachte eine Flasche Weinbrand und zwei Gläser mit. Wir saßen in der Küche, und er schwieg lange. Dann sagte er:
— Klaus, ich halte dir keine Predigt. Du bist erwachsen. Du weißt alles selbst. Aber du lebst, du bist gesund, Arme und Beine sind dran. Die Firma läuft. Und so schlecht siehst du auch nicht aus, auch wenn dieses Mädchen dich ordentlich zerlegt hat. Sieh es so: Du bist davongekommen.
— Wovon davongekommen, Rainer? Ich bin fast sechzig, — sagte ich. — Fast sechzig, und ich fange praktisch wieder von vorne an.
— Nicht von vorne. Von vorne war, als du mit fünfundzwanzig auf einem fremden MAN gesessen hast. Jetzt hast du zwölf Lkw, Kunden und einen Namen. Das ist nicht null. Das ist ein Minus, ja. Aber Minus ist nicht null. Wir kriegen das hin. Ich bin da.
Und er war wirklich da. Er vermittelte mir zwei Aufträge über Bekannte, half mir bei der Umschuldung, als die Zahlungen drückten. Er ließ mich nicht fallen, er triumphierte nicht, er sagte kein einziges Mal: „Ich hab’s dir doch gesagt.“
Frauen konnte ich danach lange nicht einmal ansehen. Irgendwann dachte ich schon, es sei tatsächlich vorbei, so wie Vanessa gesagt hatte, dass ich „nicht mehr zähle“. Aber nein. Gott sei Dank wartete Rainer den richtigen Moment ab, schleppte mich ein paarmal in die Sauna und später zu Grillabenden mit Bekannten, darunter fröhliche, unverkrampfte Frauen. Und ich begriff: So schnell schreibt man mich nicht ab.
Vanessa sah ich ein halbes Jahr nach der Scheidung wieder. Zufällig. Im selben Nutzfahrzeugzentrum „Nordstern“ an der Torgauer Straße. Ich war wegen Ersatzteilen dort. Sie arbeitete wieder da.
Sie stand im Verkaufsraum. Natürlich war sie nicht mehr fünfundzwanzig, aber sie wirkte noch auffälliger als früher: Absätze, Bleistiftrock, Bluse wieder einen Knopf tiefer offen als die Kleiderordnung es wahrscheinlich erlaubte. Neben ihr stand ein Mann um die sechzig: Bauch, teurer Mantel, eine Breitling am Handgelenk. Sie beugte sich zu ihm, lachte und berührte seine Schulter.
— Interessieren Sie sich für den Actros? Sehr gute Wahl. Sie sind bestimmt ein erfolgreicher Unternehmer…
Wort für Wort. Geste für Geste. Dasselbe Programm, nur auf einem neuen „Kunden“ gestartet.
Der Mann schmolz dahin. Ich sah es an seinem Gesicht. Genau dieser Ausdruck, den ich sechs Jahre zuvor getragen hatte: „Ich bin unwiderstehlich. Sie ist jung und schön. Ich habe Glück.“
Ich verließ das Autohaus, setzte mich in den Wagen und blieb eine Weile reglos sitzen.
Dann startete ich den Motor und fuhr zum Betriebshof. Dort warteten drei Lkw auf Wartung und ein neuer Vertrag mit einem Schlachthof. Das Leben war nicht vorbei. Es war nur um eine sehr teure Lektion teurer geworden.
Männer, merkt euch eins: Wenn ihr fünfzig seid und sie fünfundzwanzig, glaubt nicht vorschnell, dass sie ausgerechnet in eure Seele unsterblich verliebt ist. Sehr oft interessiert sie nicht euer Inneres, sondern eure Möglichkeiten. Grüne Augen, schöne Nächte, Tränen und zärtliche Worte ersetzen keinen Verstand. Denkt mit dem Kopf. Mit dem, der oben sitzt. Ja, ich weiß, viele werden sagen, ich sei ein kompletter Esel gewesen. Ich widerspreche nicht. Ihr hättet recht. Aber vielleicht bewahrt meine Geschichte wenigstens einen anderen davor, denselben Preis zu zahlen.