Nach jedem Arbeitstag entdeckte ich seltsame schmutzige Spuren in der Unterwäsche meiner Frau. Überzeugt davon, dass sie mich betrügt, versteckte ich heimlich eine Kamera in ihrem Büro – doch als ich sah, was dort wirklich geschah, blieb mir vor Scham und Entsetzen die Sprache weg…
Ungefähr zehn Minuten später kam Tobias herein.
Als er an Katharinas Tisch vorbeiging, beugte er sich zu ihr hinunter und sagte ihr etwas leise ins Ohr.
Katharina lächelte.
Markus ballte die Hand so fest zur Faust, dass seine Fingerknöchel weiß wurden.
Gegen elf kam Werner Hartmann hinzu. Eine Zeit lang besprachen die Kollegen Aufträge und Zahlen, danach arbeitete jeder wieder für sich. Nichts geschah. Alles war beinahe quälend gewöhnlich. Markus begann bereits zu glauben, dass er sich geirrt hatte. Vielleicht gab es für die Wäsche tatsächlich eine Erklärung, an die er bisher einfach nicht gedacht hatte.
Doch um Punkt eins, als die Mittagspause begann, veränderte sich die Situation.
Der Praktikant verließ das Büro zuerst.
Kurz darauf ging auch Herr Hartmann.
Zurück blieben nur Katharina und Tobias.
Markus hielt den Atem an.
Katharina stand von ihrem Platz auf, ging zur Tür und schloss ab.
In diesem Augenblick hatte Markus das Gefühl, der Boden unter ihm verschwinde. Das Dröhnen und Kreischen der Maschinen ringsum verlor jede Bedeutung. Er ging in den hinteren Bereich des Lagers, hockte sich zwischen gestapelte Kiefernbretter und starrte auf den Bildschirm.
Dann hörte er Tobias’ Stimme.
„Hast du alles vorbereitet?“
„Ja“, antwortete Katharina angespannt. „Aber ich habe jedes Mal Angst. Wenn Markus davon erfährt …“
„Er erfährt nichts. Dein Mann steht jetzt unten bei seinen Brettern. Wir haben nur eine Stunde, also lass uns anfangen.“
Markus wurde eiskalt.
Tobias ging zu dem Schrank direkt neben der versteckten Kamera, öffnete eine Tür und nahm etwas heraus.
Markus hatte mit vielem gerechnet.
Mit Kleidung vielleicht.
Mit einer Tasche.
Mit etwas, das seinen schlimmsten Verdacht bestätigte.
Doch Tobias stellte einen festen, professionell wirkenden Koffer auf den Tisch. Er ähnelte einem Transportbehälter für medizinische Geräte.
Markus führte das Handy näher an sein Gesicht.
Tobias löste die Verschlüsse und hob den Deckel.
Im Inneren lagen mehrere Glasampullen, Spritzen mit langen dünnen Nadeln und kleine Geräte mit Kabeln, die Markus an Elektroden erinnerten.
„Setz dich“, sagte Tobias ruhig.
Von dem spöttischen Ton, den Markus an ihm so hasste, war nichts mehr zu hören. Tobias klang konzentriert und beinahe sachlich.
„Wir machen heute die rechte Seite.“
Katharina setzte sich auf das Sofa im Wartebereich. Sie zog ihren Blazer aus und blieb in ihrer dünnen Bluse sitzen.
Da sah Markus ihre Arme.
Etwas oberhalb der Ellenbogen zeichneten sich blasse blaue Flecken ab.
Seine Augen füllten sich augenblicklich mit Tränen.
Katharina hatte diese Stellen seit Monaten unter langärmeliger Kleidung verborgen. Wenn Markus zufällig einmal einen kleinen blauen Fleck gesehen hatte, hatte er sich nichts dabei gedacht. Er war so sehr mit seinem Misstrauen beschäftigt gewesen, dass ihm die Wahrheit nie in den Sinn gekommen war.
„Ich habe gehört, dass du die schweren Stühle gestern wieder allein umgestellt hast“, sagte Tobias, während er eine Ampulle nahm. „Warum hast du mich nicht gerufen?“
„Du warst in einem Kundengespräch.“
Katharina atmete nervös aus.
„Tobi, bitte mach schnell. Wenn Markus herausfindet, dass ich …“
„Er findet es spätestens dann heraus, wenn du weiterhin all die Sachen zu Hause in den Wäschekorb wirfst“, erwiderte Tobias mit einem leichten Lächeln. „Ich habe dir doch gesagt, dass du die benutzten Kompressen hier in den Behälter tun kannst. Warum schleppst du alles mit nach Hause?“
Katharinas Schultern zitterten.
„Weil er jeden Samstag die Wäsche macht“, sagte sie leise. „Wenn plötzlich kaum etwas von mir im Korb liegt, fragt er sofort nach. Und wenn er die Flecken sieht … Ich weiß nicht, was er denkt. Vielleicht glaubt er, ich sei schwer krank. Vielleicht denkt er sogar, dass ich sterbe. Oder er beginnt, mich ständig zu bemitleiden. Genau das will ich nicht.“
Tobias desinfizierte die Haut unterhalb ihrer Schulter.
„Du hast ihm also immer noch nichts gesagt?“
Katharina schüttelte den Kopf.
„Ich kann nicht. Du kennst Markus. Wenn er erfährt, dass die Behandlung schon ein halbes Jahr läuft und ich dafür einen Teil unserer Ersparnisse ausgebe, will er sofort, dass ich aufhöre. Er wird sagen, dass wir auch ohne Kinder glücklich sein können. Dass es nicht das Wichtigste ist.“
Sie schwieg einen Moment.
Als sie weitersprach, brach ihre Stimme.
„Aber für mich ist es wichtig, Tobias. Ich möchte sein Kind bekommen. Ich will wenigstens wissen, dass wir alles versucht haben. Ich will, dass wir eine Chance haben.“
Markus saß regungslos zwischen den Holzstapeln.
Auf dem Bildschirm sah er, wie die Nadel in Katharinas Haut glitt.
Sie kniff die Augen zusammen.
Kein Laut kam über ihre Lippen.
Tobias drückte langsam die klare Flüssigkeit aus der Spritze.
Und dann lächelte Katharina.
Es war kein fröhliches Lächeln. Nur ein schwacher Ausdruck voller Hoffnung. Doch Markus begriff plötzlich, dass er genau dieses Lächeln seit Monaten nicht mehr an ihr gesehen hatte.