SIE WURDE GEZWUNGEN, DEN „SCHWEINE-MILLIARDÄR“ ZU HEIRATEN, UM DIE SCHULDEN IHRER FAMILIE ZU BEZAHLEN – DOCH ALS ER IN DER NACHT SEINE „HAUT“ ABLEGTE, STAND PLÖTZLICH EIN MANN VOR IHR, VON DEM ANDERE FRAUEN NUR TRÄUMTEN
— Soll ich Ihnen noch einen Tee machen, Herr von Falkenberg? — fragte sie fürsorglich.
— Nein.
Johanna hielt inne.
Etwas an seiner Stimme war anders.
Sie klang nicht mehr heiser.
Nicht mehr angestrengt.
Nicht mehr schwer.
Die Stimme, die sie jetzt hörte, war tief, ruhig und auf eine fast beunruhigende Weise angenehm.
— Johanna.
Sie sah ihn an.
— Schau mich an.
Max legte beide Hände auf die Armlehnen seines Rollstuhls.
Dann erhob er sich.
Langsam.
Ganz selbstverständlich.
Johanna sog scharf die Luft ein.
— S-Sie können stehen?
Max lächelte.
— Ich kann viel mehr als das.
Er ging zum Spiegel.
Johanna konnte sich nicht bewegen.
Max hob eine Hand an seinen Hals und suchte mit den Fingern nach einer feinen Kante.
Dann begann er, einen schmalen Streifen Silikon von seiner Haut zu lösen.
Johannas Augen wurden immer größer.
Stück für Stück verschwand das Gesicht, das sie drei Monate lang gekannt hatte.
Max entfernte eine Prothese, die seine Gesichtszüge aufgedunsen und vernarbt erscheinen ließ.
Darunter kam eine völlig andere Haut zum Vorschein.
Dann öffnete er mehrere verborgene Verschlüsse an seinem Körper.
Nach und nach zog er einen fast fünfzig Kilogramm schweren Spezialanzug aus, der ihn so gewaltig und unbeweglich hatte erscheinen lassen.
Zum Schluss nahm er auch die künstliche Glatze ab.
Nur wenige Minuten später existierte der „Schweine-Milliardär“ nicht mehr.
Vor Johanna stand ein Mann Anfang dreißig.
Groß.
Breitschultrig.
Durchtrainiert.
Mit markanten Gesichtszügen, dichtem Haar und einer Erscheinung, die so auffallend attraktiv war, dass Johanna für einen Moment glaubte, einen Fremden vor sich zu sehen.
Maximilian von Falkenberg.
Der wirkliche Maximilian.
Johannas Beine wurden weich.
Sie setzte sich auf die Bettkante.
— W-wer sind Sie?
Max ging vor ihr auf die Knie.
Er nahm ihre Hände in seine.
— Ich bin immer noch derselbe Mensch, Johanna.
Sie starrte ihn an.
— Max.
Er drückte sanft ihre Finger.
— Ich bin der Mann, den du geheiratet hast.
Johanna schüttelte den Kopf.
Tränen traten ihr in die Augen.
— Aber warum?
Ihre Stimme brach.
— Warum haben Sie das getan? Warum haben Sie all das vorgespielt?
Max atmete schwer aus.
— Weil ich müde war.
Johanna schwieg.
— Jede Frau, die mir begegnete, interessierte sich für mein Gesicht oder für mein Geld. Manche für beides.
Sein Blick wurde traurig.
— Als Franziska mich betrog, schwor ich mir, niemals wieder zu heiraten, solange ich keine Frau gefunden hatte, die nicht meine äußere Erscheinung, sondern den Menschen dahinter lieben konnte.
Seine Augen glänzten.
— Also erschuf ich diese Maske.
Johanna sah zu dem schweren Kostüm auf dem Boden.
— Sie haben sich absichtlich in diesen Mann verwandelt?
— Ja.
Er nickte.
— Ich machte aus mir ein Monster. Einen Mann, dessen Schweiß, Gewicht, Geruch und Wutausbrüche kaum jemand freiwillig ertragen würde.
Eine Träne lief über sein Gesicht.
— Ich wollte herausfinden, ob es eine Frau gibt, die trotzdem bleibt.
Johanna begann zu weinen.
Max sah ihr direkt in die Augen.
— Und diese Frau warst du.
Sie presste die Lippen aufeinander.
— Heute Abend hast du mich vor allen verteidigt. Du hast mich beschützt, obwohl du dachtest, ich würde genau so aussehen und genau so bleiben.
Er hob ihre Hände an seine Brust.
— Du hast mir deine Wärme gegeben, obwohl du glaubtest, dass ich dir nichts geben könnte, außer einem Namen und einem Haus.
— Maximilian…
Johanna konnte kaum sprechen.
— Du hast meine Prüfung bestanden, Johanna.
Er lächelte unter Tränen.
— Und jetzt gehören dir mein Vermögen, mein Herz und endlich auch mein wahres Gesicht.
Johanna beugte sich vor und umarmte ihren Mann.
Nicht weil er plötzlich schön war.
Nicht wegen seines Körpers.
Nicht wegen seines Geldes.
Sondern weil das, was zwischen ihnen entstanden war, schon lange vor diesem Augenblick begonnen hatte.
Ihre Gefühle hatten bereits bewiesen, dass sie echt waren.
Am nächsten Morgen sprach das ganze Land über die unglaubliche „Verwandlung“ von Maximilian von Falkenberg.
Die Menschen konnten kaum glauben, dass hinter dem Mann im Rollstuhl ein attraktiver junger Milliardär gesteckt hatte.
Noch erstaunlicher fanden viele, dass an seiner Seite dieselbe einfache Frau stand, die ihn geheiratet hatte, als alle anderen ihn verspotteten.
Franziska versuchte plötzlich wieder, Kontakt zu ihm aufzunehmen.
Auch Angehörige von Johannas Familie tauchten auf, kaum dass sie begriffen hatten, wie reich und einflussreich Maximilian tatsächlich war.
Doch die Sicherheitsleute ließen sie nicht hinein.
Später sagte Maximilian in einem Interview:
— Die Türen dieses Hauses stehen nur Menschen offen, die mit einem ehrlichen Herzen kommen.
Johanna und Maximilian führten ein langes und glückliches gemeinsames Leben.
Und ihre Geschichte schien zu beweisen, dass man wahre Schönheit nicht mit den Augen erkennt.
Man spürt sie mit dem Herzen.
TEIL ZWEI: DER PREIS DER MASKE
Am Morgen nach Maximilians Enthüllung fiel das Sonnenlicht durch die hellen Vorhänge des Anwesens und wirkte auf Johanna beinahe fremd.
Heller.