Mama, ich habe dir diese Reise doch selbst geschenkt – dann erklär mir bitte, warum mein Mann auf deinen Urlaubsfotos zu sehen ist!

Выкл. Автор ChatGpt
Mama, ich habe dir diese Reise doch selbst geschenkt – dann erklär mir bitte, warum mein Mann auf deinen Urlaubsfotos zu sehen ist!

„Schau dir nur an, wie wunderschön es hier ist!“, schwärmte ihre Mutter in der Sprachnachricht, die sie gerade geschickt hatte.

Laura wischte durch die Bilder, die Claudia aus dem Urlaub in den Familienchat gestellt hatte. Auf einem Foto sah man einen hellen Sandstrand, ordentlich aufgereihte Liegen und ein Meer, das in einem fast unwirklichen Türkis schimmerte. Auf den ersten Blick war es nichts weiter als eine typische Aufnahme aus einem Ferienhotel auf Mallorca.

Doch dann blieb Lauras Blick an einem Mann im Hintergrund hängen. Breite Schultern. Ein tätowierter Drache auf dem Schulterblatt. Dunkelblaue Badeshorts mit einem schmalen weißen Streifen an der Seite. Genau diese Hose hatte sie Markus zu seinem letzten Geburtstag geschenkt, nachdem sie tagelang im Internet nach dem passenden Modell gesucht hatte.

Laura vergrößerte das Bild. Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen, und plötzlich fühlte es sich an, als hätte sich etwas Hartes in ihrer Kehle festgesetzt. Hinter ihrer Mutter lag, völlig entspannt auf einer Sonnenliege, ihr eigener Ehemann. Derselbe Mann, der sie drei Tage zuvor zum Abschied geküsst und behauptet hatte, er müsse wegen eines dringenden Termins nach Frankfurt fliegen.

Was also hatte er in einem Hotel auf Mallorca zu suchen?

Laura stellte ihre Kaffeetasse auf den Couchtisch und sank gegen die Lehne des Sofas. Das Bild vor ihr passte zu keiner Erklärung, die ihr einfiel. Elf Jahre Ehe – und vielleicht war all das, worauf sie vertraut hatte, nur eine sorgfältig aufgebaute Lüge gewesen.

„Laura, bist du noch da?“, hörte sie Ninas Stimme aus dem Telefon. „Ich erzähle dir seit fünf Minuten von dem Kleid, und du sagst kein Wort.“

„Entschuldige. Ich war mit den Gedanken woanders.“ Laura rieb sich über die Schläfen. „Weißt du noch, dass Markus angeblich auf Geschäftsreise ist?“

„Natürlich. Er ist doch ständig irgendwo unterwegs. Eigentlich kannst du dich glücklich schätzen: Er macht Karriere und sorgt dafür, dass es euch an nichts fehlt.“

Laura verzog bitter den Mund. Ja, in den letzten Jahren waren Markus’ Dienstreisen so selbstverständlich geworden, dass niemand mehr Fragen stellte. Er arbeitete als Regionalleiter für ein großes Bauunternehmen und war regelmäßig in anderen Städten unterwegs.

„Und wie geht es deiner Mutter?“, fragte Nina weiter. „Genießt sie die Reise?“

„Sie schickt jeden Tag Fotos. Sie wirkt so glücklich …“

Laura dachte an den Nachmittag zwei Wochen zuvor zurück, als sie ihrer Mutter den Umschlag überreicht hatte.

„Mama, das ist für dich. Schon mal alles Gute zum Geburtstag!“

Claudia hatte den Umschlag geöffnet und erschrocken die Luft eingezogen.

„Mallorca? Ein Fünf-Sterne-Hotel? Laura, hast du den Verstand verloren? Das muss ein Vermögen gekostet haben!“

„So schlimm ist es nicht. Wann warst du zuletzt richtig am Meer? Vor fünf Jahren? Und damals waren es gerade einmal drei Tage an der Ostsee.“

„Ich kann so ein Geschenk unmöglich annehmen. Das ist viel zu teuer.“

„Mama, du wirst zweiundfünfzig und siehst aus wie Mitte dreißig. Ständig hält man uns für Schwestern oder Freundinnen. Hör endlich auf, bei dir selbst an allem zu sparen.“

Claudia hatte ihre Tochter fest an sich gedrückt. In ihren Augen schimmerten Tränen. Sie war erst neunzehn gewesen, als Laura geboren wurde, und noch immer wirkte sie erstaunlich jung, lebendig und gepflegt.

Drei Tage vor Claudias Abflug war Markus später als sonst nach Hause gekommen. Laura stand gerade am Herd, als die Wohnungstür ins Schloss fiel.

„Hallo, Schatz.“ Er küsste sie flüchtig auf die Wange. „Ich habe schlechte Nachrichten. Morgen muss ich nach Frankfurt.“

„Schon wieder? Du bist doch erst vor Kurzem aus München zurückgekommen.“

„Es gibt Ärger mit einem Subunternehmer. Mein Chef will, dass ich mich persönlich darum kümmere.“

Markus sah erschöpft aus, aber zugleich seltsam angespannt. Zwischen seinen Augenbrauen lag die tiefe Falte, die bei ihm nur auftauchte, wenn ihn etwas ernsthaft beschäftigte.

„Wie lange bleibst du?“

„Mindestens zehn Tage. Vielleicht wird es auch länger.“

Am Abflugtag hatte Laura zuerst ihre Mutter zum Flughafen gefahren und zwei Stunden später ihren Mann. Claudia war aufgeregt gewesen wie ein junges Mädchen vor dem ersten großen Abenteuer. Markus dagegen hatte kaum gesprochen, wirkte konzentriert und beinahe abweisend.

In den ersten Tagen schien alles normal. Markus schickte knappe Nachrichten: „Besprechung dauert länger.“ „Bin mit Geschäftspartnern essen.“ „Morgen fahre ich zur Baustelle.“ Claudia dagegen überflutete den Familienchat mit Bildern: das Meer bei Sonnenaufgang, ihr Frühstück auf der Hotelterrasse, streunende Katzen, ein Ausflug zu einer alten Ruinenstätte.

Und zwischen all diesen harmlosen Urlaubsmomenten entdeckte Laura jenes Detail, das ihr Leben mit einem Schlag aus den Angeln hob.

„Das kann nicht sein“, flüsterte sie und betrachtete das Foto zum wiederholten Mal.