Mama, ich habe dir diese Reise doch selbst geschenkt – dann erklär mir bitte, warum mein Mann auf deinen Urlaubsfotos zu sehen ist!

Выкл. Автор ChatGpt
Mama, ich habe dir diese Reise doch selbst geschenkt – dann erklär mir bitte, warum mein Mann auf deinen Urlaubsfotos zu sehen ist!

Sie öffnete die übrigen Aufnahmen ihrer Mutter und sah sie nun mit völlig anderen Augen an. Auf einem Bild aus dem Hotelrestaurant stand am Rand eine schwarze Sporttasche mit rotem Emblem. Markus hatte sich im vergangenen Jahr genau so eine gekauft und dabei lange darauf bestanden, dass es dieses Modell sein müsse.

Auf einem Foto aus einem Café spiegelte sich in der Glastür die Gestalt eines großen Mannes in einem weißen Hemd. Das Spiegelbild war unscharf und kaum zu erkennen, doch die Haltung, die Neigung des Kopfes, die Art, wie er dastand, kamen Laura erschreckend vertraut vor. Sie zoomte so weit hinein, bis nur noch verschwommene Pixel übrig blieben. Trotzdem schwand ihr Zweifel mit jedem Bild.

Der Mann war nie deutlich zu sehen. Er befand sich stets am Rand, ein paar Meter entfernt, halb verdeckt oder mit dem Rücken zur Kamera, als würde er bewusst darauf achten, nicht fotografiert zu werden. Aber er war dort. Ihr Mann hielt sich in unmittelbarer Nähe ihrer Mutter auf.

In Laura wuchs nicht nur Schmerz, sondern eine wilde, beinahe unwirkliche Verwirrung. Wie sollte so etwas möglich sein? Seit wann? Und warum ausgerechnet diese beiden Menschen?

„Ich habe diese Reise doch selbst bezahlt“, sagte sie laut in das leere Wohnzimmer. Allein der Gedanke ließ Übelkeit in ihr aufsteigen.

Plötzlich erinnerte sie sich an kleine Merkwürdigkeiten der letzten Monate. Markus war immer häufiger zum Telefonieren auf den Balkon gegangen und hatte die Tür hinter sich geschlossen. Ihre Mutter wiederum hatte in alltäglichen Auseinandersetzungen auffallend oft Partei für ihren Schwiegersohn ergriffen.

„Laura, warum machst du ihm das Leben so schwer? Er ist müde. Lass ihn doch erst einmal durchatmen.“

„Markus hat recht. Ihr müsst das Auto nicht schon wieder wechseln.“

„Sei nicht so streng mit ihm. Er arbeitet schließlich für eure Familie.“

Mit zitternden Fingern wählte Laura die Nummer ihrer Mutter. Das Freizeichen zog sich endlos hin.

„Hallo, mein Schatz! Ich wollte dich gerade anrufen. Du glaubst nicht, wie schön die Sonnenuntergänge hier sind!“

„Mama, wie geht es dir? Ist es nicht einsam, so ganz allein?“

„Einsam? Überhaupt nicht. Hier gibt es so viel zu erleben. Gestern war ich auf einem Ausflug.“

„Allein? Oder hast du jemanden kennengelernt?“

Claudia lachte. Doch in diesem Lachen meinte Laura eine feine Anspannung zu hören.

„Was sind das denn für Fragen? Ich bin doch nicht sechzehn. Ich mache einfach Urlaub.“

„Und mit wem isst du abends? Sitzt du immer allein am Tisch?“

„Laura, warum verhörst du mich plötzlich? Beim Essen kommt man eben mit anderen Gästen ins Gespräch. Gestern habe ich mich mit einem Ehepaar aus Köln unterhalten. Sehr nette Leute.“

„Und Männer? Spricht dich niemand an? Du weißt doch, dass du immer noch umwerfend aussiehst.“

„Was redest du dir da zusammen?“ Claudias Stimme klang nun gereizt. „Welche Männer denn? Ich liege am Pool, gehe schwimmen und habe meine Anwendungen.“

„Ich mache mir nur Sorgen um dich.“

„Das brauchst du nicht. Mir geht es bestens. Oh, entschuldige, ich muss zur Massage. Wir telefonieren heute Abend.“

Dann war die Verbindung beendet. Laura ließ das Handy sinken. Je entschlossener ihre Mutter direkten Antworten auswich, desto stärker wurden ihre Befürchtungen. Warum konnte Claudia nicht einfach ruhig antworten? Weshalb klang sie plötzlich nervös?

In Lauras Kopf formte sich ein Bild, das so entsetzlich war, dass sie es selbst kaum denken konnte: ihre Mutter und ihr Ehemann. Gemeinsam. Hinter ihrem Rücken. Wie lange ging das schon so? Waren all diese Geschäftsreisen womöglich erfunden gewesen? Hatten sie sich vielleicht sogar in Lauras Wohnung getroffen, während sie im Büro saß?

Ihr wurde schwindelig. Sie presste die Handflächen gegen die Schläfen und versuchte, sich zu beruhigen. Doch vor ihren Augen erschien immer wieder dieselbe Aufnahme: die dunkelblaue Badehose mit dem weißen Streifen, der tätowierte Drache, Markus’ gebräunter Rücken – nur wenige Meter von ihrer Mutter entfernt.

Laura startete einen Videoanruf. Das Klingeln kam ihr höhnisch vor. Nach einer Ewigkeit wurde der Anruf weggedrückt. Zwei Minuten später erschien eine Nachricht.

„Bin sehr beschäftigt. Melde mich später.“

Kalt. Knapp. Nicht einmal das kleine Herz, das er sonst fast immer anhängte.

Laura rief noch einmal ihre Mutter an.

„Mama, entschuldige, dass ich dich schon wieder störe. Ich bin heute so unruhig.“

„Laura, was ist los?“ In Claudias Stimme lag sofort ehrliche Sorge.

„Nichts Bestimmtes. Ich fühle mich nur merkwürdig. Erzähl mir etwas vom Hotel. Ist es sehr voll?“

„Schon, aber man findet überall einen Platz.“

„Sind viele Deutsche dort?“

„Einige natürlich, aber keine riesigen Gruppen.“ Ihre Mutter wirkte nun deutlich angespannt. „Laura, bist du sicher, dass es dir gut geht?“

„Mama, bist du wirklich allein dort? Bitte … sag mir einfach die Wahrheit.“

Am anderen Ende entstand eine lange Pause.

„Ich verstehe nicht, worauf du hinauswillst. Natürlich bin ich allein. Laura, was soll das?“

„Nichts, Mama. Entschuldige. Genieß deinen Urlaub.“